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15.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
"Wie ein Daumenkino"
Nitschs Burg-Aktion lässt sich nun in Buchform nachblättern.

So etwas hatte das Haus am Ring noch nie gesehen - nicht einmal, als zwei Monate später Christoph Schlingensief hier mit seinen Animatographen einfiel: Am 19. November 2005 pfiff Hermann Nitsch im Foyer des Burgtheaters seine 122. Aktion an. Eine siebeneinhalb-stündige Kraftanstrengung für alle 90 Akteure, 60 Chorsänger und 70 Musiker begann. Nur zur Erinnerung: Die Sesselreihen im Zuschauerraum waren mit weißen Schutzhüllen überzogen, Star war ein bereits toter Stier, dazu kamen vier Schweine, 500 Liter Blut sowie reichlich Gedärm, Weintrauben und Paradeiser.

Jetzt ist das ganze Ereignis in Buchform nachzulesen bzw. eher nachzublättern: Der von Burg-Direktor Klaus Bachler und Kunsthistoriker und Nitschianer Otmar Rychlik herausgegebene Band soll "wie ein Daumenkino" funktionieren, so Nitsch bei der Präsentation. Und resümierte noch einmal: Die Aufführung habe ihn sehr zufrieden gestellt, "die Musik war noch nie so gut wie im Burgtheater." Und: Jetzt habe "sich ein Bogen von der griechischen Tragödie zum bürgerlichen Theater gespannt".

Neben relativ kurzen Beiträgen von Bachler, Rychlik und Nitsch selbst, überzeugen die 133 Seiten aber vor allem durch die perfekte Dokumentation von Archiv Cibulka-Frey, Viviana Furlanetto und Georg Soulek. Auch Nitsch ist mehr als zufrieden: "Das Händlerblut in mir sagt, dass es für 30 Euro eigentlich geschenkt ist." sp

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