
Wortführer ist Georg Schöllhammer. Der Wiener Verleger und Kunsttheoretiker hat sich und seine springerin mit etwa 90 anderen Magazinen und der documenta 12 vernetzt, um einen dreibändigen Apparat zu liefern, den Grundsatzfragen der kommenden Kasseler Weltkunstschau nachzuspüren. Der erste Band des documenta Magazine - Modernity? - zeigt sich als kritischer Blick zurück auf die 1955 noch gar nicht abzusehende Entwicklung der deutschen Bundesgartenschau.
Roger M. Buergel: "Es lohnt sich, dem Ursprung der documenta nachzugehen, denn nach einem näheren Blick auf ihre Anfänge verliert sich der ganze Ballast an Erwartungen und Projektionen, der auf dieser Ausstellung lastet wie ein Sack mit Wackersteinen." Und bekanntlich führen Erwartungen leicht zu Missverständnissen. Um solchen gleich entgegenzuwirken, wurde die Rezeption der Moderne von Autoren wie Rasheed Aareen, Olu Oguibe oder Mark Lewis gleich an ihrer problematischen Wurzel gepackt, dort, wo jeder prospektive Kassel-Besucher sich selbst längst fragt: "Ist die Moderne unsere Antike?" Diesem bislang komplex unbestellten Feld mit neuen Pflugwegen zu begegnen, um so womöglich neue Früchte freizulegen, werden etwa Arbeiten der vergessenen bzw. erst jüngst wiederentdeckten Künstlerinnen Lee Lozano, Ruth Vollmer oder Mária Bartuszová der documenta-Geschichte nachträglich eingeschrieben.
Zudem ist nachzulesen, dass laut Buergel Catherine Davids documenta X der ursprünglichen Konzeption der documenta durch Arnold Bode 1955 weit näher kam als Harald Szeemann mit seiner "gegenwartstrunkenen" documenta 5. Man darf also gespannt sein, was die zwei Folgebände noch an unkonventionellen Einsichten zu bieten haben werden. Zumal die noch unbehandelten Leitmotive Life! (Was ist das bloße Leben?) und Education (Was tun?) schon auch große Brocken darstellen. (Markus Mittringer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 2. 2007)