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Kunstberichte

Die Randnotizen einer Heimkehr

Innerer Blick von außen: Das Museum auf Abruf zeigt "Das Wien-Projekt" des Pressefotografen Harry Weber
Illustration
- Harry Weber porträtierte sich selbst für sein „Wien-Projekt“.  Foto: Museum auf Abruf

Harry Weber porträtierte sich selbst für sein „Wien-Projekt“. Foto: Museum auf Abruf

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Harry Weber (1921-2007) war einer der be kanntesten Pressefotografen Wiens, nachdem er 1946 trotz seiner Vertreibung im Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt war. Er arbeitete für zahlreiche bekannte Illustrierte wie "stern" oder "Eltern", sah sich dabei aber nicht als Künstler in seinem Metier. Allerdings machte er schon in Zeiten der Serien über Sehenswürdigkeiten der Stadt und meist prominente Bewohner "Randnotizen" mit der Kamera.

2005 bekam Weber von der Kulturabteilung der Stadt Wien den Auftrag, seine persönliche Sicht ohne jegliche Auflagen in einem Projekt zu sammeln – bis 2007 sind mit neuer digitaler Technik 30.000 Aufnahmen entstanden und parallel hat er auf 65 Manuskriptseiten Erinnerungen an das Wien seiner Jugend im Gegensatz zu nach 1945 notiert. 200 Fotos aus dem Projekt zeigt das Museum auf Abruf (Musa) nun in einer von Timm Starl und Berthold Ecker kuratierten Ausstellung, in deren Katalog diese Schriften mit abgedruckt wurden.

Starl unterscheidet Weber von den früheren Stadt-Flaneurs-Typen – hier geht es um ein Dasein als Passant, eine quer angelegte Sicht auf scheinbar Beiläufiges. Und doch sind ganz persönliche Begleitungen von jüdischen Festen oder Kindern im Synagogenunterricht zu finden – dies wie eine Suche der Welt, die mit der Verschleppung und Ermordung seiner Mutter für ihn untergegangen ist. Jedoch zeigt Weber nie Sentimentalitäten, er liebt schnelle Blickwechsel, die vielfältigen Facetten städtischen Lebens lassen keine Bevorzugung oder ein Leitmotiv zu. Allerdings sind Vorlieben erkennbar: Spiegelungen und irreführende Durchblicke.

Oder er lässt dunkle Silhouetten von Menschen oder dem Modell des Stephansdoms im Vordergrund wirken wie in einem barocken Gemälde. Dabei sind Kompositionen meist achtlos und schneiden Füße an, zuletzt beschäftigten ihn vor allem Hände, deren Gesten auch das Gesicht eines Prominenten verdecken können – so etwa bei Kardinal Christoph Schönborn. Ein interessanter Dialog eines aus Palästina Zurückgekehrten, der in Wien so manche Bewegung verfolgt hat, die sonst keiner sieht.

Harry Weber

Das Wien-Projekt

Museum auf Abruf

Bis 16. Februar

Kurioser Blick.

Donnerstag, 01. November 2007


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