| Salzburger Nachrichten am 10. April 2003 - Bereich: kultur
Autobiografie als apartes Kauderwelsch
Marko Lulic und Hans Pollhammer im Salzburger Künstlerhaus
Marko Lulic ist ein sehr redegewandter Künstler. Er ist in Österreich aufgewachsen, seine Eltern stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Seine Arbeit bezieht sich auf ein Hotel, das 1973 auf der Insel Krk von der "Penthouse"-Gruppe eröffnet worden ist. Dar-über existiert ein Film voller Absurdität. Hier trafen Welten aufeinander. Zur Eröffnung hatte man eine Schar von Pinup-Girls eingeflogen, die, von Zuhältertypen präsentiert, für Glamour sorgten. Der einheimische Beitrag bestand aus Folklore, trachtige Männlein und Weiblein tanzten einen artigen Reigen. Es sieht aus wie ein "Zusammenprall der Kulturen". Der setzte sich fort, als die Mädchen durch die Altstadt flanierten, begleitet von schmierigen Fotografen. Zur Abrundung hängte Lulic in den halben Raum des Künstlerhauses eine Nachbildung der Decke über der Lobby des Penthouse-Hotels. Er gibt insgesamt ein anschauliches Bild vom damaligen Jugoslawien, das zwischen den Blöcken lavierte, sich einerseits dem Westen mit seinen Fragwürdigkeiten öffnete, das aber andrerseits - auch innerhalb des Ostblocks - auf Eigenständigkeit beharrte. Die künstlerischen und architektonischen Hervorbringungen des Landes unter Tito sind auf Grund ihrer Aufgeschlossenheit gegen-über der Moderne in keiner Weise mit den damaligen Ausprägungen in anderen Ostblockländern zu vergleichen, wo die Doktrin des Sozialistischen Realismus herrschte (und die des Stalin'schen Zuckerbäckerstils in der Architektur). Die andere Hälfte des Künstlerhauses gehört dem Salzburger Hans Pollhammer. Er erzählt verschlüsselt aus seinem Leben, angefangen bei der Reproduktion eines Kasperls aus der Kindheit, bis zu einer im Raum stehenden Kiste. Sie hat einen Sehschlitz und birgt Pollhammers Sehnsucht nach Meer und Seefahrt. Der erste Eindruck ist, dass Pollhammer einen Wust von Material an der Wand befestigt hat, gemalte Bilder mit integrierter Schrift, meist Anmerkungen im Dialekt, kleine, filigrane Skulpturen und Reproduktionen von Filmleuten und (Meeres-)Landschaften. Die einzelnen Elemente sind nicht fein säuberlich nebeneinander angeordnet, eher chaotisch. In der Psyche, in den Vorstellungen eines Menschen läuft eben nicht immer alles geordnet ab. Es gibt Gleichzeitigkeiten und Überlagerungen. Ein Detail bläht sich auf, ein anderes nimmt sich zurück. So gesehen werkt Pollhammer an einem spannenden Experiment. Im Kabinett zeigt Nabila Irshaid eine zweiteilige Installation, die
sich auf die palästinensische Heimat ihrer Eltern bezieht. Sie hält Nacht-
und Tagbilder von an zwei Erhebung klebenden jüdischen Siedlungen fest.
Dazu wird die Geräuschkulisse (Gebell von Coyoten, Chöre von Zikaden)
eingespielt. (Bis 1. Juni) WERNER THUSWALDNER
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