Zum Begriff Minimal Art

Wie der Begriff für ein neues und künstlerisches Phänomen in Amerika entstand.


Minimal Art, die von der Mitte der 60er Jahre bis zum Ende der 70er Jahre die amerikanische Kunstwelt eroberte, ist die erste Kunstströmung Amerikas, die sich unabhängig von Europa entwickelt hat.

Der abstrakte Expressionismus Amerikas hatte noch seine Wurzeln im Surrealismus und Kubismus des Kontinents und fand seine europäische Entsprechung im Tachismus. Dennoch zeichneten sich bereits mit Jackson Pollock und seinem unterstützenden Kritiker Clement Greenberg die beginnenden Unabhängigkeitsbestrebungen von Europa ab.

Charakteristika

Das Wesen der klassischen minimalistischen Kunst liegt in den Beziehungen des Objekts zu seinem Umraum. Einblicke, Durchblicke, Akzentuierung von Wänden durch Hängung von dreidimensionalen Objekten oder durch Leuchtstoffröhren machen den der Architektur verwandten Charakter dieser Kunstströmung aus. Es entstanden "spezifische Objekte", Kuben, Vierecke, seriell übereinander angeordnete Metall- und Holzplatten, die an der Wand oder am Boden befestigt wurden.

Donald Judd,
Donald Judd, "Ohne Titel", 1988-1990

Zu den wichtigsten Vertretern der klassischen Minimal Art zählen Donald Judd, Carl Andre, Dan Flavin, Sol LeWitt und Robert Morris.

Begriffsfindung

Der Begriff "Minimal Art" stammt nicht von den Künstlern, sondern wurde ihnen, wie so oft, von der Kunstkritik zugewiesen. 1965 erklärte der Theoretiker Richard Wollheim in seinem Essay "Minimal Art", dass die in jüngster Zeit entstandenen Arbeiten wohl nur einen gemeinsamen Aspekt hätten: Nämlich ihr Kunstgehalt wäre minimal. Wollheim führte als Beispiele Gemälde von Ad Reinhardt, Rauschenbergs Combines und Duchamps Ready Mades an.

Buchstäbliche Kunst

Andere Bezeichnungen wie "ABC Art", "Mini Art", Primary Structures" waren im Umlauf. Oder die neuen Arbeiten wurden bloß als Reaktion auf andere Kunst verstanden und als "Rejective Art" bezeichnet. Eine Zeitlang wurde der Terminus des Theoretikers Michael Fried "Literalist art" beibehalten, der aber auf der Modernismus Idee von Clement Greenberg fußte.

Der Begriff der "Minimal Art" konnte sich wahrscheinlich deshalb durchsetzten, weil er offener und unverfänglicher war und nichts implizierte, was die künstlerischen Intentionen der Vertreter vorwegnahm. Die Künstler der Minimal Art wandten sich mit ihrer eigenen und auf den ersten Anschein simplen Formensprache bewusst ab von dem malerischen Pathos der expressiven Malerei und ihres Proponenten Clement Greenberg.

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