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Kunsthistorisches Museum im Palais Harrach: Hans Robert Pippal

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Die Bandbreite eines Optimisten

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Werke des Wiener Malers und Gestalters mehrerer Fassaden und Ausstattungen im öffentlichen Raum, Hans Robert Pippal (1915 bis 1998), werden in einer Retrospektive des Kunsthistorischen Museums im Palais Harrach (2. Stock) bis 30. November unter dem Titel "Zwischen Innovation und Tradition" gezeigt. Kuratiert wurde die Schau von der Tochter des Künstlers, Martina Pippal, die an der Universität Kunstgeschichte lehrt und auch die Monografie gemeinsam mit Elisabeth Voggeneder und Otmar Rychlik im Böhlau-Verlag herausgegeben hat.
Hans Robert Pippal hat als "Stanzenmacher" und technischer Zeichner begonnen, aber schon vor dem Krieg im Rahmen des Künstlerhauses ausgestellt - er orientierte sich damals an den modernsten österreichischen Künstlern wie Faistauer oder dem Nötscher Kreis, Dobrowsky und Pauser. Mit dem bekannten Bildhauer Rudolf Hoflehner in Frankreich stationiert, kam natürlich die auch im Österreich der fünfziger Jahre herrschende Renaissance der wichtigen Errungenschaften Cézannes dazu. Doch das eigentlich Spannende an Pippal ist seine glatte Zweiteilung in einen Maler altmeisterlicher Holztafeln und Möbel wie Paravents und einen lockeren, eher postimpressionistischen als eindeutig expressiven Stil im Ölbild, Aquarell und in seinen reizvollen Zeichnungen.
Die bekanntesten Genres sind die vielen stimmungsvollen Veduten, meist Ansichten Wiens, aber ähnlich den französischen Künstlern der klassischen Moderne Rouault oder Matisse u. a. gibt es auch Heiligenbilder. Die Stadtansichten sind oft und gerne mit Dufy verglichen worden, obwohl bei genauerem Studium nicht mehr viel Ähnliches bleibt außer die schmissige Konturierung und die intensive Farbgebung, die an die Kontraste der Fauves erinnert, wenngleich Pippal auch darin eine eigenständige dunklere, aber selten melancholische Palette bietet. Die wichtigsten dieser Hauptwerke sind auch in der Monografie zu finden, die im Anhang mit einer kompletten Auswahl in Schwarzweiß den Überblick verschafft, der zum Großteil bis jetzt unbekannte Werke präsentiert.
Originell war der Maler nicht nur in seinen Wandgestaltungen in Mosaik und anderen Techniken an kommunalen Wohnbauten genauso wie in Theatern oder am alten Flughafen Schwechat (traurig im Buch zu erfahren, dass die eindrucksvollen Werke für die ehemalige Ankunftshalle ebenso verloren sind wie die Wandgestaltungen des früheren Restaurants), sondern in seinen Porträts, die eigentlich völlig gleichwertig zu den Veduten einzuschätzen sind. Die altmeisterlichen Schränke in Trompe l'œil-Charakter weisen ihn als einen Postmodernen aus, der die Geschichte der Malerei nicht mit der Avantgarde der klassischen Moderne über Bord geworfen hat. Zum Glück war diese Umstürzlerei nie Pippals Sache und so kann man auch die Vorliebe Güterslohs für diesen Maler (dem er 1954 eine Personale in der Secession eröffnete - die Rede ist im Buch zu finden) verstehen, da er damit ähnlich den Wiener Phantasten den Surrealismus nach Österreich brachte.
Die Schau und vor allem das Buch zeigen seine Vielfalt in Ideen und Materialien (auch in Sachen Wandteppiche, Treibarbeit, Email usw. zum Teil mit seiner Gattin, der Architektin Eugenie Kottig, ausgeführt), und erinnern an einen frühen Vertreter Österreichs bei zwei Biennalen in Venedig. In seinen späten Werken griff er wie 1993 auf ein altes Thema einer Allee in Schönbrunn zurück und die Intensität des Rot-Grün-Kontrasts in gesteigerter malerischer Ausführung verraten eine ungebrochen optimistische Weltsicht.

Erschienen am: 10.11.2003

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