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Kunstberichte

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Vom Winde gebläht

(cai) Besser eine Mücke in der Hand als ein Elefant auf dem Dach. Äh, ich mein’: Eine Schwalbe in der Hand macht noch keinen Sommer, eine Taube auf dem Dach noch keinen Hitchcockfilm (Sie wissen eh: "Die Vögel", dieser Schnabel-und-Federn-Schocker). Und ein einzelnes Gummibärchen macht noch kein Bauchgrimmen. 358 Gummibärchen können das aber schon . Kurz: Masse ist Macht. (Das Pandabärli, das ganz allein eine Masseneuphorie auslöst, an der sämtliche Österreicher teilnehmen, ist nur jene Ausnahme, die die Regel bestätigt.)

Das weiß auch Ivan Kafka, dessen Spezialität die maßlose Übertreibung ist. (Die Überdosis.) 70.000 Pingpongbälle im Prager Rathaus muss man erst einmal verkraften. Gut, 70.000 Bürgermeister wären noch viel verstörender. Und wenn 2000 Verkehrskegel (diese rot-weiß gestreiften Hütchen) einen Platz in München überwuchern, ist das wohl surrealer Humor. Als würden nienhindirtnienindnienzig Chinisin vir ienir Billi-Filiili ief nienhindirtnienindnienzig Kintribissin Biethivin spielin. Oder als würde ein Witz so anfangen: "Sitzen 571 Rabbis, 634 Fußballtrainer und 7892 Steirer in einer Sushi-Bar . . ."

Schon die Titel geben zu skurrilen Phantasien Anlass (und sind ein Vergnügen für sich). "Raum der Freiheit (und auch der Schlaffheit)": Damit kann nur die finnische Sauna gemeint sein. Falsch: 50 Windsäcke warten auf der Wiese auf die Brise. (Hat fast was Pornografisches.) "Tschechische Tüten-Ausflügler": sicher ein Synonym für "Einkaufstouristen". Oder einfach 921 Sackerln (in den tschechischen Nationalfarben), die der Künstler (der offenbar einen unermüdlichen Blasebalg im Brustkorb hat) aufgeblasen und dann zugeknotet hat (Nimm ein Tütchen für dein Lüftchen!), um damit einen Eisenbahnwaggon der ÖBB zu überfüllen. Im Atrium ed Arte sind zwar bloß Skizzen und Fotos von diesen poetischen Interventionen zu sehen, der Funke springt aber sofort über.

Atrium ed Arte
(Lerchenfelderstraße 31)
Ivan Kafka
Bis 26. Jänner
Di. bis Fr. 14 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 14 Uhr
Begeisternd.

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Jenseits der Biene Maja

(cai) Die Gelse (diese Hämogloholikerin) bestellt sich an der Bar eine Bloody Mary, und weibliche Honigbienen haben natürlich eine Dauerwelle. Nein, nicht "natürlich". Drum zeigt Susanne Riha den jungen Konsumenten ihrer charmant informativen Bilderbücher, wie es wirklich zugeht, im Wald, im Garten, im Zoo. Detailfreudig illustriert sie ihre eigenen Texte. Na ja, schonend bringt sie den Kleinen die Wahrheit schon bei. Höchstens Larven und Käfer kommen ernsthaft zu Schaden (enden als Spechtfutter). Die Gräser sind fast so gewissenhaft gezeichnet und gemalt wie die in Dürers "Großem Rasenstück" (aber in Rihas Wiese ist mehr los). Die Natur ist sowieso hyperaktiv. Beim Futterhäuschen ist grad Rushhour: "Der Sperling stürzt sich auf die Haferflocken. Das Rotkehlchen holt sich Rosinen." Anderswo fliegen Kohlweißlinge wie wohlerzogene Engländer, die nicht drängeln, in den Himmel. Die aufwendigen Original-Bilder (derzeit in der Galerie Artefakt) erfreuen auch das kritische erwachsene Auge.

Galerie Artefakt
(Strauchgasse 2)
Susanne Riha
Bis 24. Jänner
Mo. bis Fr. 13 bis 18 Uhr
Kinderlieb.

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Wo die Farbe hinfällt

(cai) Aha, einer, der für die Augen malt. (Und nicht für die Freudianer oder für esoterische Kryptologen.) Sehr erholsam. Richard Jordan verwischt und verschmiert nämlich die Farbpaste genüsslich, bis dabei so etwas wie ein abstrakter Stimmungsimpressionismus herauskommt, der eine leise Ahnung davon hat, was eine Landschaft ist. Und auf den appetitlichen Schlieren feiern bunte Kleckse (sind das aufgeregte Spermien? Übermütige Luftballone?) eine ausgelassene Party. Man soll die Farben eben feiern, wie sie fallen.

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Richard Jordan
Bis 19. Jänner
Mo. bis Fr. 11 bis 19 Uhr
Sa. 10 bis 16 Uhr
Danke!

Mittwoch, 16. Jänner 2008

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