07. Juni 2010 - 00:04 Uhr · Von Ulrike Breit · Kultur

Worüber man spricht: David LaChapelle im Kunsthaus

Angelina Jolie

Angelina Jolie wirft das Haar zurück und lächelt, während ein Pferd an ihrem nackten Busen schnuppert. Schockiert? Belustigt? David LaChapelle ist bekannt für seine sinnlichen wie mehrdeutigen Fotografien, die stets Aufmerksamkeit erregen – das war die Eintrittskarte für die 90 ausgestellten Fotos bei den spannenden „Kontroversen“ im Kunst Haus Wien.

Seit ihrer Erfindung im Jahr 1839 wird die Fotografie von gerichtlichen, ethischen und politischen Kontroversen begleitet. Das beginnt bei der Anerkennung der Fotografie als Kunstform (Bildnis des Grafen von Cavour von Léopold Ernest Mayer und Pierre-Louis Pierson, 1856), Rechtsstreitigkeiten um Originale (Bildnis des Oscar Wilde von Napoleon Sarony, 1882) und der Diskussion, wie weit Fotografie gehen darf, vom Sterben („Der fallende Soldat“ von Robert Capa, 1936) über Gräueltaten (Bergen-Belsen vom fotografischen Dienst der britischen Armee, 1945, Abschuss der Black-Hawk-Hubschrauber, Mogadischu 1993) bis zu Jacques Langevins letztem Bild von Lady Di 1997.

Auch nicht neu ist die Debatte um retuschierte Fotos (Josef Stalin mit Nikolai Jeschow, 1930 und ohne Jeschow, 1940 im selben Bild) oder nackte (Kinder-) Haut (Alice Liddell als Bettelmädchen von Lewis Carroll, 1858).

Bekannte Sujets wie die aus der Benetton-Werbung von Oliviero Toscani oder Carlos Aires‘ Arbeit aus dem Kunstprojekt „euroPART“ sind ebenso zu sehen wie Bilder aus Abu Ghraib oder von 9/11.

Die von Daniel Girardin vom Musée de l’Élysée in Lausanne und dem Genfer Rechtsanwalt Christian Pirker konzipierte Schau lenkt den Blick auf Arbeiten, die Grenzen überschritten oder neu definiert haben. Zu jedem Foto gibt es eine ausführliche Beschreibung seiner Geschichte.

Die Frage, was denn überhaupt glaubwürdig ist, ist nur einer von vielen Denkanstößen, die diese hervorragende Ausstellung gibt.

Info: Kunst Haus Wien, bis 20. Juni, täglich von 10 bis 19 Uhr. www.kunsthauswien.com

Quelle: OÖNachrichten Zeitung
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,406719
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