Wenn Josef Trattner seine Schaumstoffblöcke ausstellt, bezieht er
sich stets auf die umgebenden Räume und Gebäude.
Als Josef
Trattner 1998 ein Tiroler Almtal in der Nähe der Zugspitze mit seinen
Objekten aus Schaumstoff "möblierte", erntete er wütende Proteste von
Anrainern und Umweltschützern. Viele sahen im unnatürlich gefärbten
Kunststoff einen Fremdkörper, der störte. "Sie haben sogar damit gedroht,
mir das anzuzünden." Dabei, so der Künstler, markierten die Möbelstücke ja
bloß Punkte, von denen aus man die schöne Aussicht genießen konnte.
"Kunst soll Freude machen" ist eine Maxime Trattners, der hofft, mit
seinen Interventionen im öffentlichen Raum den Blick der Menschen auf die
Lebenswelt zu verändern und sie zur Kommunikation anzuregen.
Skulptur im Kontext
Josef Trattner (zum Vergrößern
anklicken)
Grundsätzlich sieht der
gebürtige Steirer, der an der Akademie der bildenden Künste in Wien
studierte, seine Arbeit als Bildhauerei im klassischen Sinne - "mit dem
Unterschied, dass sich der Künstler heute nicht mehr ganz dem Handwerk
unterwerfen muss, sondern mehr Freiraum für seine Ideen hat." Doch
Skulptur, so seine Überzeugung, funktioniert stets im Zusamenhang mit den
Räumen, die sie umgeben.
Der Bezug zur Architektur und zum Umfeld ist so ein bestimmendes
Merkmal von Trattners Kunst, ob er seine Blöcke nun in einer Galerie
positioniert, alten Barockfassaden gegenüberstellt oder Architekturformen
und Ornamente in die Formgebungen der Blöcke einfließen.
Josef Trattner: Kommode, Holz,
Schaumstoff
Schaumstoff als Reibebaum
"Die Arbeit ist eine Gratwanderung. Das Interieur, das Wohnzimmer ist
immer wieder ein Thema. Ich möchte dem Publikum die Behaglichkeit der
eigenen vier Wände gewähren, um sie unmittelbar danach aufzuwecken und
ihnen neue Einblicke zu bieten."
Seine Technik, an ungewohnten Orten Wohnzimmeratmosphäre aufkommen zu
lassen, bildet für den Künstler ein höchst intensives Spannungsfeld. "Der
Schaumstoff ist ein Reibematerial, man bringt es in den Stadtraum ein und
über die Diskussion darüber erreicht man vielleicht eine Öffnung der
Leute."
Josef Trattner: 4 Vitrinen, 1992,
Schaumstoff
Mit seinen "Interventionen" will der dezidierte Feind der
Engstirnigkeit auch ein wenig als Brückenbauer agieren. Denn im heimischen
Baubetrieb ortet Trattner wenig Mut zum Risiko. "Meine Installationen
dauern maximal ein halbes Jahr. Architekten haben es ungleich schwieriger;
der Architekt kann nicht unmittelbar das, was ihn bewegt, umsetzen - ein
Entwurf muss immer wieder abgeändert werden, viele Leute glauben, sich
äußern zu müssen und etwas zu verhindern, weil es nicht schön
ist."