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08.10.2001 - Ausstellung
Das eigene Ich und das fremde Gegenüber
Um das "Abbild" geht es heuer in der großen Ausstellung des Steirischen Herbsts im Grazer Joanneum.


"Ihr werdet schon sehen, wer übrigbleibt." Kombiniert mit der Photographie der beiden sich zuprostenden, grell geschminkten Männer in üppigen Ballroben, bekommt der Titel der Arbeit - ein Zitat von Helmut Kohl - einen sarkastischen Beigeschmack. Abbild der Champagner-Anstoß-Gesellschaft, gebrochen durch das dargestellte Selbstbewußtsein der Schwulen-Szene?

Mit Arbeiten von Matthias Herrmann beginnt "Abbild", die große Ausstellung des Steirischen Herbsts im Grazer Landesmuseum Joanneum. Ausgewählt hat die Arbeiten von über 50 Künstlern aus der ganzen Welt Peter Pakesch. Er machte sich auf die Spur der Darstellung des Menschen in Malerei, Photographie, Plastik, Video in der heutigen Kunstproduktion.

Klassische Ansätze wie Gerhard Richters photorealistische Porträts, Cindy Shermans Selbstverwandlungen oder Paul McCarthys boshaftes Spiel mit tradierten Sehgewohnheiten stehen für den Beginn der seit den 80er Jahren wieder flächendeckend auftretenden Auseinandersetzung mit menschlicher Figur und Porträt. Vorbei zu sein scheint die Rivalität von Photographie und Malerei. Wichtig ist heute nicht mehr die Wahl des Mediums, sondern der subjektive Umgang mit Identitäten.

In den Photographien von Thomas Struth, der japanische, chinesische und mitteleuropäische Familien abbildete, lassen sich die kulturellen Unterschiede in der Selbstdarstellung verfolgen. Besonders stark ist diese Differenz in der Gegenüberstellung der Arbeiten des österreichischen Duos Muntean/
Rosenblum mit denen des chinesischen Malers Xie Nanxing zu sehen: Oberflächliche Szenen aus der MTV-Kultur stehen hier Bildern der Auflehnung der chinesischen Jugend gegen das System und ihrer Suche nach Identität gegenüber.

Eine Aneignung fremder Traditionen versucht Yasumasa Morimura. Der japanische Multimedia-Künstler setzte sein Porträt in Frida Kahlos Selbstbildnisse. Ein Verwirrspiel der Kulturen und Geschlechter. Irritierend auch die Bilder von Chuck Close: Aus der Nähe ein abstraktes Rasterfeld, enthüllt sich erst aus der Entfernung ein menschliches Gesicht. Fazit der spannenden, schön gehängten Ausstellung: Das Festhalten des menschlichen Abbilds scheint in Zeiten von Gentechnik und angesichts der täglichen, vergänglichen Bilder-Flut wichtiger denn je.

Bis 16. Dezember, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. 10 bis 21 Uhr.



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