Ein digitaler Aboriginee

"Wie ein Zauberer, ein Alchemist, versuche ich, die unterschiedlichen Elemente zu verbinden", sagt Fabrizio Plessi zu seiner Arbeit.
Von Sabine Oppolzer.


"Only fire" ist der Titel einer Ausstellung mit Arbeiten von Fabrizio Plessi, die Dienstagabend in der Sammlung Essl in Klosterneuburg eröffnet wird. Die Schau wird bis 17. Februar kommenden Jahres zu sehen sein.

La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi
La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi

Erst vor wenigen Wochen erregte der venezianische Künstler Fabrizio Plessi großes Aufsehen, als er zur Zeit der Biennale in einer Rauminstallation sämtliche Fenster des Markusplatzes abwechselnd in Brand oder unter Wasser setzte. Auch seine in der Sammlung Essl gezeigten Video-Installationen, die Plessi mit archaischen Materialien wie Holz, rostigem Eisen oder Stroh kombiniert, sind vom Thema Feuer dominiert.

Brennende Emotionen

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Ein riesiger Baumstamm schwebt in der Rotunde der Sammlung Essl. Unten strömt er Feuer aus, das in einem eisernen Wasserbassin aufgefangen wird. Rundherum schräge, rostige Wände, an denen mittels Tauen Eisenstühle, Karren oder Baumstämme befestigt sind. Im Inneren jedes Baumstammes lodert ein Feuer - auf einem gut versteckten Monitor. Diese Seele seiner Baumstämme, wie Plessi sie nennt, brennt für die Emotionen, für die Sehnsüchte und für die Euphorie.

"Wichtig ist mir, auch in den Betrachtern die Seele zu entzünden. Denn im Zeitalter der Globalisierung ist die Seele verloren gegangen. Die Seele, die im Inneren meiner Arbeiten, meiner Bäume leuchtet, ist aus Feuer" erklärt Fabrizio Plessi.

Eigenwillige Poesie

Die Arbeiten von Fabrizio Plessi strömen eine eigenwillige Poesie aus: Die archaischen Materialien, ergänzt durch moderne Videoscreens, erzeugen ein starkes Spannungsverhältnis. Erstaunlich ist, dass den Part der Seele gerade die moderne Technologie übernimmt.

La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi
La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi

"Bei dem Wort Seele denkt man gewöhnlich an archaische Formenwelten. Ich aber denke: die wahre Seele ist heute die Elektronik. Und ich bin eben ein digitaler Aboriginee", stellt der Künstler fest.

Kein Video-Künstler

Fabrizio Plessi setzte das Medium Video als einer der ersten ein. Er wehrt sich aber dagegen, als Videokünstler bezeichnet zu werden. Man habe ja Michelangelo auch nicht als Marmor-Künstler bezeichnet, nur weil er mit Marmor gearbeitet habe.

La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi
La Stanza del Fuoco - Only fire, 1999 / ©Bild: F. Plessi

Kurator Peter Baum, der die Eröffnungsrede halten wird, meint zu dieser Haltung Plessis: "Er wehrt sich damit gegen die Überbewertung der jeweils neuesten Technologien. Entscheidend ist immer der Geist dahinter und die Fähigkeit, etwas adäquat umzusetzen. Wenn es daran mangelt, hilft die neueste und aufwendigste Technologie nichts."

Mediterrane Ästhetik und Ironie

Den Arbeiten Plessis ist nicht nur eine sehr mediterrane Ästhetik zueigen. Ihre monumentale Wucht wird durch einen Schuss Ironie gemildert. Peter Baum dokumentiert mit einer Anekdote, wie Fabrizio Plessi bereits in früheren Arbeiten versuchte, Elemente wie Feuer und Wasser zu bändigen:

"Ich habe ihn einmal beobachtet, allerdings nur am Foto, als er im Canal Grande mit einem Fuchsschwanz am Werk war. Plessi versuchte, das Wasser durchzuschneiden. Es war eine ironische Metapher, die Welt zu erobern. Ulkiger kann man es gar nicht anstellen", so Peter Baum.

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