14.02.2003 19:50
Traditionelle Malerei, die es so nicht geben
kann
Rudi Molacek, Pendler zwischen Berlin, New York
und dem Südburgenland, zeigt neue, teils raumbezogene Arbeiten in der
Burgenländischen Landesgalerie
Eisenstadt - Weg sind sie, die Rosen und Tulpen.
Geblieben sind Striche und Flecken. Rudi Molacek verzichtet in seinen neuesten
Arbeiten auf alle Symbole, lässt die Anklänge an Pop-Art und damit den
Wiedererkennungswert, das "Demokratische" beiseite. Und widmet sich zum einem
dem Umraum der Bilder - der Burgenländischen Landesgalerie in den Stallungen von
Schloss Esterházy -, zum anderen den Möglichkeiten einer "digitalen"
Malerei.
Der Versuch, dem Bild den Charakter eines Fensters in andere
Welten (oder zumindest fremder Leute private Stuben) zu nehmen, mündete in
Leinwände von einer Dimension, wie sie traditionell bloß Fresken aufwiesen. Die
Dehnung der Bilddimension über das Sehfeld hinaus war ein Versuch,
"Unmittelbarkeit" zu erreichen.
Monet wendete diesen "Trick" an, um uns
mitten unter die Seerosen in den Teich zu schleudern, Vertreter monochromer
Malerei badeten uns derart in nichts denn reiner Farbe. Rudi Molacek reagierte
auf die Dimension des lang gestreckten Ausstellungsraums in Eisenstadt, dehnte
seine Formate entsprechend meterlang. Und setzte bunte Flecken in die
Flächenbänder - zerfranste Schraffuren, Elemente, aus denen "richtige" Maler
"richtige" Bilder zusammensetzen könnten. Er lässt sie "so" stehen - entgrenzt,
nur potenziell bildgebend; immerhin noch handgemacht.
Was aber, wenn die
Flecken und Striche nicht mehr von Hand gesetzt werden, um x-beliebige
Illusionen zu schaffen? Was, wenn der Fleck und der Strick selbst bloß
Illusionen sind, weil computergeneriert und ausgeplottet? Was also, wenn man der
Farbe ihre eigene Wertigkeit nimmt, das reine Produkt durch dessen Simulation
ersetzt und zugleich - verfahrensbedingt - der Malerei jeden Duktus raubt, der
Bildfläche auch noch die kleinste Unebenheit ausbügelt?
Rudi Molacek ist
bei abstrakten Kompositionsstudien formal im konventionellen Rahmen geblieben.
Und hat doch das "Vertrauen" in solches erschüttert. Er erwischt uns mitten in
der wohligen Geborgenheit der Konvention. Da machen sich langsam Unschärfen
bemerkbar, Überlagerungen, Verläufe, die allem widersprechen, was Max Doerner in
seiner Bibel Malmaterial und seine Verwendung im Bilde aufgezeigt hat.
Da kommen Stellen vor, die so nicht einmal der gemeine Airbrush zustande
brächte, die einfach nicht sein können. Es sei denn, man nutzt die Maschine, wie
Molacek, um sich dem Wesen der Malerei zu nähern: analytisch, nicht der tollen
Effekte wegen. Bis 9. 3. (Markus Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe,
15.02.2003)