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19.07.2003 - Ausstellung
Die Erdapfel-Lösung
Die Universität für angewandte Kunst zeigt im 20er Haus "The Essence" des vergangenen Jahres.
VON ALMUTH SPIEGLER


A
m Anfang war der Erdapfel. Keine Rede von computergenerierten "Blops", die die Architektur in die Zukunft schicken. Verschmitzt lässt der Hollein-Nachfolger an der Wiener Angewandten, Architektur-Professor Greg Lynn, seine Studenten die braune Knolle vermessen, 3D-animieren, nachbauen und wieder auflösen: "The Potatoe Problem". Wie urige UFOs schweben dann im 20er-Haus weiße kugelige Baukörper von der Decke, lauter kleine Architektur-Blasen aus Utopia - wer will da noch an Erdäpfel denken?

Mit Greg Lynn, Zaha Hadid, Wolf D. Prix hat die Angewandte Architektur-Avantgardisten verpflichtet, die zusammen mit den Design-Klassen den Puls der Universität bilden. Das zeigt auch heuer wieder die Jahresausstellung "The Essence". 2002 im Künstlerhaus arrangiert, bot sich heuer das vor der Renovierung leer stehende 20er-Haus an. Ein kleiner, aber kultiger Ort für Studentenarbeiten. Einmal flackert so im Schwanzer-Pavillon noch der - Anfang der 80er hier funktionierende - Underground auf, bevor die Österreichische Galerie Belvedere ihre Außenstelle eröffnen wird. Unpathetisch teilen sich Architektur, Restaurierung, Wissenschaft, bildende Kunst, Design das Erdgeschoß. Raf Simons' Modeklasse platziert ihre Entwürfe an Puppen, die wie Stil-Wärter den Raum zum Garten hin abschließen. "Hurly Burly", der krasse gelbe Dunstabzug-Prototyp für die Mini-Küche von Jakob Edelbacher, sorgt für Frischluft statt Tannenduft, und auch "SÜM", ein Minimalzelt für Skitourengeher von Franz Piffl, bietet Schutz vor Umwelt.

Stark ist auch Werbung und Grafik-Design. Georg Feichtinger überzeugt schlagend vom Bedarf an Selbstverteidigungs-Kursen, Kerstin Luttenfeldner ist die Meisterin der Verweigerung - ihr Buch entzieht sich durch gemeine Binde-Technik, erst aufgeschlitzt gibt es unterdrückte Ängste preis. Verweigerung betreibt auch der Katalog zur Ausstellung - hier verwirrt das Design, das wohl intellektuell ausschauen soll, einigermaßen. Was zu starke Kopflastigkeit bewirken kann, dokumentiert ja Nina Rike Springer in ihrer sarkastischen Fotoserie: Schwerkraft lässt grüßen. Böse. Gut wirkt das hoch aufragende Tageslicht-Display der Medienklasse, aber hier heißt "interaktiv" wie so oft auch "undurchschaubar".

Ebenso auch die Auswahl der Malerei- und Bildhauer-Klassen. Im vergangenen Jahr kämpfte man wenigstens noch mit großen Formaten gegen die Computer-Ästhetik. Heuer wollte man es anscheinend mit ultra-konservativ versuchen. Hier hätte der Blick eines externen Kurators die bildenden Künste vielleicht etwas retten können.

Bis 27. Juli. Di.-So. 10-18 Uhr.



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