Ein Maler als Ereignis


Seit fünf Jahren arbeitet das Team des Wiener Kunstforums an der Verwirklichung der Cézanne-Ausstellung. Sie soll dem Haus einen neuen Besucherrekord und dem zur Albertina überwechselnden Direktor Klaus Albrecht Schröder einen fulminanten Abgang bescheren.

Gigantomanie

Und wahrlich, Cézanne ist pures Gold wert. 825 Millionen Schilling wurden im Vorjahr für sein "Still-Leben mit Vorhang, Krug und Obstschale" erzielt, der weltweit höchste Auktionspreis überhaupt. Und laut Sotheby's rangieren Cézannes Still-Leben derzeit auf Platz zwei der Favoritenliste in einem boomenden Kunstmarkt. Das lässt natürlich den Versicherungswert in die Höhe schnellen. Eine Million Schilling ist Minimum für einen Cézanne mittlerer Güte, lässt David Furtwängler, Kunstexperte der Nordstern Colonia Versicherung, durchblicken.

Cézanne makes the world go round

Beim Gesamtversicherungswert der Ausstellung handelt es sich also um einen zweistelligen Milliardenbetrag, die Versicherungsprämien verschlingen ungefähr ein Drittel der gesamten Ausstellungskosten von 20 bis 25 Millionen Schilling. Und die wollen erst einmal verdient sein, weshalb die PR-Maschinerie schon seit Monaten rotiert und die Besucher-Logistik einem ausgeklügelten System folgt.

Erstmals werden etwa Karten mit und ohne freier Zeitwahl im Vorverkauf vertrieben. Schulklassen finden schon zwischen 8 und 10 Uhr morgens Einlass und während der letzten drei Tage vom 23. bis 25. April ist das Haus gar rund um die Uhr geöffnet.

Griff nach den Sternen

Dass es aber überhaupt zur Ausstellung gekommen ist, dafür waren viele Kilometer erforderlich. Für den Antransport allein haben die Bilder der insgesamt 67 Leihgeber 352.200 Kilometer zurückgelegt, d.h. der Erdball wurde neun Mal umrundet. Und auch die Kuratoren waren mehr unterwegs als normal, um bei potenziellen Leihgebern Überzeugungsarbeit zu leisten. "Cézanne zeigen zu wollen bedeutet, nach den Sternen zu greifen", meint die leitende Kuratorin Evelyn Benesch. Absagen der Leihgeber gab es aber nicht mehr als bei weniger gefragten Künstlern. Den 147 gezeigten Objekten stehen 200 Anfragen gegenüber.

Wie du mir, so ich dir

Wir leihen euch einen Cézanne, wenn ihr uns einen Van Gogh gebt. Diese "unangenehme und teure Entwicklung", so Benesch, dass Häuser immer häufiger Gegenleihgaben erbitten, macht es für das Kunstforum, das ja keine eigene Sammlung besitzt, unerlässlich Kooperationen einzugehen. Ohne das Kunsthaus Zürich, das da großzügig eingesprungen ist, wäre das Projekt von vornherein unmöglich gewesen. Umso überraschender war dann, dass noch andere Museen an einer Übernahme interessiert waren, was die Ausleihzeiten noch verlängert hätte. Nicht gerade im Sinne der Leihgeber.

Dass es in Zukunft immer schwieriger wird, derartige Ausstellungen zusammenzustellen, hat aber nicht nur mit den explodierenden Versicherungssummen zu tun, sondern auch mit dem Alter der Bilder: Werke vom Expressionismus abwärts vertragen das Reisen und den Ortswechsel eben nur mehr bedingt.

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