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Ein Tiroler, der sich zum Spanier gewandelt hat

Mit einer großen Personale von Reiner Schiestl startet das Tiroler Landesmuseum das neue
Ausstellungsjahr

INNSBRUCK. Die Schau ist eine etwas vorgezogene Geburtstagsausstellung für Reiner Schiestl, der im März seinen 65. Geburtstag feiert. Er räumt in der großen musealen Schau gründlich mit seinem Image als Aquarellist auf, indem er sich als Maler großer Acrylbilder genauso wie als großartiger Zeichner und Druckgrafiker präsentiert.

Die Ausstellung ist auch nicht als Retrospektive angelegt, sondern thematisch gegliedert. Schiestls Interesse an Plätzen, an Horizonten, an Pflanzen oder körperlichen Metamorphosen wird hier multimedial zelebriert, vom tagebuchartigen Skizzenbuch angefangen bis zum großen Triptychon in Acryl.

Dass der in Kufstein geborene, an der Wiener Akademie der bildenden Künste ausgebildete Reiner Schiestl nicht nur ein exzellenter Techniker, sondern auch ein großer Reisender im Mentalen wie Realen - besonders nach Spanien - ist, macht die Ausstellung eindrucksvoll deutlich.

Denn nicht nur die Weite der spanischen Landschaft, ihre Farben, die von starken Kontrasten dominierten Stimmungen ihrer Plätze, schlagen sich in seiner Kunst nieder, sondern auch das Skurrile und Düstere des iberischen Wesens.

Die "schwarzen Bilder" Goyas hätten ihn sehr fasziniert, so der Boeckl-Schüler Schiestl, der erst in Spanien das Schwarz als Farbe entdeckt hat. Aber auch in seinem Denken mutierte der Tiroler mit den Jahren mehr und mehr zum Spanier.

Er wurde zum Erzähler hintergründiger Bildgeschichten, die besonders in den großen Acrylarbeiten den Bogen vom Leben zum Tod schlagen, zelebriert anhand opulent formulierter, oft auf drei Leinwänden ausgebreiteten Metaphern für Existenzielles.

Die Natur als große Anregerin für seine philosophisch angelegten Szenarien wollte Reiner Schiestl nie verlassen. Und das ist auch gut so: Denn die direkt vor dem Motiv entstandenen Zeichnungen Schiestls sind der Beweis wirklich großer Meisterschaft.
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Tiroler Landesmuseum, Museumstraße, Innsbruck; bis 22. Februar, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
2004-01-20 16:41:17