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Kunstberichte

T-Center St. Marx: Dritter T-Mobile Art Award geht an Leopold Kessler

Minimaler Eingriff mit Situationskomik

Leopold Kessler bei der Aktion „Perforation“.  Foto: T-Mobile

Leopold Kessler bei der Aktion „Perforation“. Foto: T-Mobile

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Leopold Kessler widersteht sozialpolitischer Didaktik.
Aufzählung Subversive Ironie als ein Mittel der Gestaltung.

Wien. Es geht ein Mann im blauen Arbeitsanzug zur Polizeistation Mariahilf, stellt eine Leiter auf und entfernt den Buchstaben "O" vom Polizeischild. Der Hohlraum dahinter ist sein Gelddepot, andere Orte tragen nicht das Prädikat, so sicher zu sein. Davor hatte Leopold Kessler schon ein Stromkabel von seinem Akademieatelier bis zu seiner Wohnung gelegt – ganze eineinhalb Kilometer.

Die Aktionen sind mit Videokamera festgehalten – zuerst rein dokumentarisch, entdeckte der 1976 geborenen Künstler mehr und mehr ästhetische Aspekte dieses Mediums. Zuletzt verwandelte er sich in New York in einen Autofensterputzer auf den Straßen, also in einen Menschen, den der prominente Bürgermeister gerne aus der Stadt verbannen würde.

Nun hat Leopold Kessler den mit 15.000 Euro dotierten T-Mobile Art Award bekommen. Außer Videos gibt es von Kessler nur Konzepte – Kesslers situationistische Interventionen sind zwar humorvoll auf eine Pointe zugespitzt, die auch sozialpolitische Aspekte sichtbar macht, aber die groteske und subversive Ironie kennt weder Relikte noch erhobene Zeigefinger.

Aktionen ohne Skandale

Skandale wie im Aktionismus der Sechzigerjahre gibt es nicht: Kessler bezieht kein Publikum mit ein, seine Kleidung tarnt ihn als befugt, sogar Verkehrsschilder mit einer langen Zange zu lochen. "Perforation" fand für die Ausstellung in der Secession immer nur früh am Morgen statt. So manches durchlöcherte Schild könnte – allerdings ohne sein Wissen – bereits in eine Kunstsammlung gewandert sein.

Auch der dritte Art Award von T-Mobile wurde in einem zweistufigen Verfahren vergeben. Im ersten haben sechzehn Experten, darunter Museumsdirektoren wie Peter Weibel, Carl Aigner, Agnes Husslein oder Stella Rollig, Vorschläge eingebracht. Daraus ergaben sich dreizehn Nominierungen junger Künstler, darunter Stefan Sander, Simon Wachsmuth und Künstlerinnen wie Ulrike Lienbacher, Constanze Ruhm, Esther Stocker oder Ursula Mayer.

Ein Grenzgänger

Die Entscheidungsjury setzte sich aus "art:phalanx"- Direktor Hans Peter Wipplinger und T-Mobile-Direktor Robert Chávtal, den beiden Künstlerinnen und Professorinnen Valie Export und Anna Jermolaewa (vorjährige Preisträgerin) und der Direktorin des "migros museum für gegenwartskunst" in Zürich, Heike Munder, zusammen. Ende Dezember wurde Lepold Kessler, der bis 2004 bei Heimo Zobernig an der Akademie der bildenden Künste studiert hat und eben von einem New York-Stipendium des Bundes zurückgekehrt ist, zum Sieger gekürt.

Kessler steht für den gewandelten Skulpturenbegriff ebenso wie für Grenzgänge zwischen den Medien, zwischen privat und öffentlich, und weist durch sein subversives Tun auf die Ordnungsmächte unseres globalisierten Alltags hin.

T-Mobile hat auch die Ateliers im Erdgeschoß des T-Centers in St. Marx wieder auf ein Jahr an ausgewählte Künstler vergeben, darunter sind Anna Ceeh, Marlene Haring, Constantin Luser oder Jutta Strohmaier, auch keine ganz Unbekannten mehr.

Mittwoch, 16. Jänner 2008


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