Die Wiener Secession präsentiert "Pawel Althamer und Andere"
Kunsttunnel zum Feuer
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Tunnel versperrt Touristen den Zutritt. Foto: Wolfgang Thaler
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Dass Archäologie und Anthropologie in künstlerische Konzepte
einwandern, ist nicht neu. Pawel Althamers Wissenschaft als Kunst liegt
dennoch im Zeitgeist, denn auch soziologische Überlegungen fließen bei
ihm ein.
Mit dem Ausstellungstitel "Pawel Althamer und Andere"
erteilt der polnische Künstler dem subjektiven Schöpfergeist eine
radikale Absage: Ausgeführt werden die in der Secession ausgestellten
Projekte von Anderen, Was und Wie bleiben für freie Ergänzungen des
Besuchers offen. So wollten es schon die performativen Manifeste der
Sechzigerjahre. Alhamer kann seine Ahnherren – Tadeusz Kantor und
Joseph Beuys – nicht verleugnen.
Secession als Korridor
Die Secession wird in der Mitte zu einem großen, weißen Korridor,
durch den man bei Tag und Nacht in den Garten gehen kann – Kunst
passiert bekanntlich seit den Impressionisten im Freien. Die
Institutionskritik an dem verschlossenen Ausstellungsraum bezieht auch
Menschen, die normalerweise nicht in Kunsthallen kommen, ein. In der
Secession treffen vom Kunstbetrieb meist ausgeschlossene Randgruppen
wie die Bewohner des Flüchtlingshauses Neu Albern oder
"Südtirolplatz-Günther und Freunde" auf Studenten des Dozenten Donat
Grzechowiak, der an der Akademie der bildenden Künste Performance
lehrt. Grzechowiak hängte auch ein Boot in die Bäume über einen
Arbeitstisch.
Wichtig ist Pawel Althamer das Lagerfeuer ganz am Ende des
Secessionsgartens als archaischer Urmittelpunkt: An dieser Vorform des
"Round Table" soll kommuniziert werden und Kunst von spontan
Inspirierten entstehen. Das klingt tatsächlich nach hoffnungsloser
Sozialromantik im Sinne von William Morris und John Ruskins, die
englischen Arbeitern schon vor 1900 in Abendschulen guten Geschmack und
Freude beim Malen vermitteln wollten. Die schamanistische
Vermittlerfunktion des Künstlers, an der Althamer festhält, geht
wiederum auf die Gesellschaftsutopisten und Kunstschamanen Beuys und
Kantor zurück.
Der 1967 in Warschau geborene Althamer studierte an der dortigen
Akademie Skulptur. Die performative Kunst blieb für ihn wegen der
Integration des "Rests der Welt" – direkt von der Straße in die Kunst –
immer vorrangig. Seine Agitation macht ihn zum Regisseur für Spiele im
untersten Rang des Alltags.
Der laut Pressetext "minimale Eingriff" in den Secessionstempel ist
allerdings ein maximaler. Zum Beethovenfries von Gustav Klimt gelangt
man nur mehr über den Seiteneingang – vielleicht probt ja
Sezessionsgründer Klimt die Vereinigung von Kunst und Leben geistig
mit? Am Anfang der Moderne war das ja noch ganz neu.
Ausstellung
Pawel Althamer und Andere
Secession bis 21. Juni
Printausgabe vom Samstag, 25. April 2009
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