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Pfffft – pfffft – pfffffffffffft

Aufzählung (cai) Wie schmückt man einen Raum komplett mit einer idyllischen Landschaftsmalerei aus, wenn man nur eine einzige Spraydose hat? Man schreibt "Idylle" an die Wand und überlässt den Rest der Fantasie. Johannes Vogl hat aber offenbar eh noch zwei Farbdosen besessen (eine grüne und eine blaue) und konnte also eine durchgehende grüne Horizontlinie sprayen (die Wiese) und gleich darüber – pfffffffffffft – eine blaue Linie für den Himmel. Gegen die exotischen Bergl-Zimmer im Schloss Schönbrunn ist das natürlich ein, pardon, Kolibri-Schas, also ein Witz.

Vogl beweist überhaupt Humor, wenn er mit bastlerischer Inbrunst Naivromantisches fabriziert. Das adaptierte Einkaufswagerl ist trotzdem keine Billigkuh (sonst läge ja ein Milchpackerl drin), nein, das ist ein originelles Malgerät. (Die zwei Fahrradbremsen drücken auf den Pfffft-Knopf der hinten montierten Spraydosen.) Als weiterer Gag ist der Durchgang zum Nebenraum zugemauert, doch dafür die Rückwand vom Garderobenkammerl eingerissen. Jetzt zwängt man sich an Jacken vorbei .. . nach Narnia? Nicht direkt. Drüben erwartet einen aber immerhin eine primitive Peepshow. Ein "Kaiserpanorama". Wacklige Sitze vor Schachteln mit Gucklöchern.

Doch während Vogls Natur-Imitationen durch handfeste, ironische Poesie bestechen (etwa sein mit Gefrierschranktechnologie betriebener, brummender Eiszapfen), erschlägt einen Ann Cotten hier, die die Schachteln gefüllt hat, mit kryptischen Anspielungen. Gut, die "Hölle", ausnahmsweise ein Zylinder, ist eh nachvollziehbar. Kopf rein (wie in eine Trockenhaube), Lampe brennt aufs Hirn, brutzel. In der Mae-West-Box blitzt’s, wo "Heiner Müllers Fotze" drin sein soll, ist das Chaos. Ja, ich könnte jetzt herumforschen, ob die Mae West Migräne gehabt hat oder Heiner Müller ein heimlicher Hermaphrodit war. Aber ich streike.

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
J. Vogl und A. Cotten
Bis 24. Juli
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Die Infantin wird geköpft

Aufzählung (cai)Zwischen der Fotografie und der Malerei herrscht ja angeblich Zickenkrieg. Die vertragen sich nicht besonders. Und Manuel Gorkiewicz hält eindeutig zur Malerei. Aus einem Fotostudio, wo die Malerei zum Fotohintergrund verkommen ist, hat er ein paar Leinwände befreit, eine davon (nein, die ist aus Papier) viergeteilt, gerahmt und als Kunst rehabilitiert. (Ich hoffe, das meint er ironisch.) Eine andre dient ihm als Teppich, auf dem er wie auf einer Bühne eines der größten Rätsel der Kunstgeschichte nachstellt. Nein, die Lampions auf den Eisenstäben sind nicht die kosmische Konstellation aus van Goghs "Sternennacht". Es sind aufgespießte Köpfe. Die Köpfe aus "Las Meninas", dem mysteriösesten Opus von Velázquez. (Ein erweitertes Malerselbstporträt? Ein Gruppenbild mit Infantin? Oder ein Traktat, mit welcher Botschaft auch immer?) Ein sehr analytischer Zugang zur Kunst. Aber die Theorie ist wenigstens nicht völlig grau, sondern eine Party mit Lampions.

Galerie Mezzanin
(Getreidemarkt 14)
Manuel Gorkiewicz
Bis 1. August
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Kunst und Überleben

Aufzählung (cai) Bilder überleben draußen nicht. Außer vielleicht die von Anna Meyer, die ihre Werke ja beim ärgsten Regen vor die Tür setzt. Wie die zwei vor der Galerie Krobath. Eines verkündet: "Verboten ist erlaubt." Ein Aufruf zum zivilen Ungehorsam? Auch die Malereien drinnen (alle auf Alu) waren schon im Freien (in der Linzer Mustersiedlung solarCity) und der Realität (Wetter, Vandalismus) ausgeliefert. Die Szenen selbst (freizeitende Menschen) sind mäßig aufregend, am reizvollsten ist noch das Konzept. Kunst und Leben vereinen sich freilich intimer, wenn Meyer ein Modell der Donaucity aus Kosmetikverpackungen baut.

Galerie Krobath
(Eschenbachgasse 9)
Anna Meyer
Bis 31. Juli
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 01. Juli 2009

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