Bregenz
(VN-cd) Man hat die Besucherzahlen erhöht, schließt
das Jahr 2001 auch wirtschaftlich erfolgreich ab und will 2002, das
zweite Jahr unter der Leitung von Eckhard Schneider, auch mit
Einzelausstellungen international bedeutender
Künstlerpersönlichkeiten bestreiten. Gemessen an den gesetzten
Zielen sei das Kunsthaus Bregenz auf einem guten Weg, hieß es bei
der Präsentation des neuen Programmes, das unter dem Motto
"Radikalität der Gegenwart" steht.
Dass der Kultursommer in Vorarlberg neben den
Festspielen auf der Seite der bildenden Kunst diesmal mit der Grande
Dame der Gegenwartskunst Louise Bourgeois bestritten wird, ist
"VN"-Lesern bereits bekannt. Das Werk, das Macht, Bedrohung und
Schutzbedürfnis der Menschen im Besonderen auslotet und dabei auch
auf Geschlechterrollen Bezug nimmt, wird kombiniert mit Arbeiten der
Vorarlberger Medienkünstlerin Ruth Schnell. Die Vertreterin
Österreichs bei der Biennale in Venedig, die im letzten Jahr mit dem
Internationalen Kunstpreis des Landes ausgezeichnet wurde, wird die
Außenhaut des Kunsthauses gestalten bzw. dort ein Werk präsentieren.
Unter der Intendanz von Eckhard Schneider wurde diese
Herausforderung von Tony Oursler angenommen, vorher waren dies Keith
Sonnier und James Turrell.
Kernkonflikt
In der Realisierung von konkret auf das Kunsthaus
zugeschnittenen Einzelausstellungen sieht Direktor Eckhard Schneider
eine Möglichkeit, einen Kernkonflikt zu bewältigen. Auf der einen
Seite sei man mit einer zunehmenden Spezialisierung der Künstler
konfrontiert, auf der anderen Seite gelte es für das Publikum, jene
Herausforderung, die mit der Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst
verbunden ist, anzunehmen. Dafür brauche es Brücken, die das
Kunsthaus mit einem ausgebauten Vermittlungsprogramm zu errichten
sucht. Schneider: "Man darf nie lockerlassen, um den
kulturpolitischen Auftrag zu erfüllen, den wir mit diesem Haus
haben, nämlich der Versuch, einerseits in der Region verankert zu
sein und andererseits internationale Maßstäbe zu setzen."
Diskursangebot
Man sei angetreten, sich als Kunsthaus im europäischen
Bereich zu messen. Im Jahr 2002 soll das weiters mit dem Schotten
Douglas Gordon, dem britischen Künstlerduo Gilbert & George
sowie den Newcomers Pierre Huyghe (die letztjährige Sensation im
französischen Pavillon der Biennale von Venedig) und Doug Aitken
gelingen.
Mit Einzelausstellungen großer Namen und einem ausgeweiteten
Rahmenveranstaltungs- und Vermittlungsprogramm ist es im Jahr 2001
gelungen, 72.000 Besucher anzusprechen. Im Jahr zuvor waren es
53.000, 1998, im diesbezüglich besten Jahr seit der Eröffnung,
58.000. Dieses positive Ergebnis will Eckhard Schneider nur als
einen Aspekt des Erfolges verstanden wissen, grundsätzlich geht er
davon aus, dass eine Zwischenbilanz zur Beurteilung seines Konzeptes
erst nach etwa drei Jahren gemacht werden kann. 35 Prozent der
Besucher kommen im Übrigen aus Österreich, 30 Prozent aus
Deutschland. Deutlich angestiegen sind auch die Einnahmen. Das
Gesamtbudget beträgt 2,2 Millionen Euro. Hauptsponsor ist neuerdings
die Hypo-Bank.
Was die Zukunft betrifft, will man auf jeden Fall das
Diskursangebot ausbauen.
Seit über 30 Jahren provoziert das Duo Gilbert &
George mit Humor. Es kommt im April nach Bregenz.
Louise Bourgeois kommt im Juli.
Wir sind auf gutem Weg. Eine erste Zwischenbilanz kann man
aber erst nach etwa drei Jahren treffen.
ECKHARD SCHNEIDER
Kunsthaus Bregenz 2002
Douglas Gordon: 19. Jänner bis 14. April
Gilbert & George: 17. April bis 23. Juni
Louise Bourgeois: 6. Juli bis 8. September
Ruth Schnell: Juli/August
Pierre Huyghe: 21. September bis 17. November
Doug Aitken: 30. November bis 26. Jänner 2003
Internet: www.kunsthaus-bregenz.at