Bregenz
(VN-ag) Als zufällige Gruppenausstellung konnte man
die alljährliche Präsentation der neuen Mitglieder der
Berufsvereinigung charakterisieren. Wie jedes Jahr findet das
Ereignis im Künstlerhaus-Keller statt und wie jedes Jahr mischt sich
Neues mit Bekanntem. Die einzige Auffälligkeit betrifft in diesem
Jahr die (wohl auch zufällige) weibliche Übermacht.
Mit seiner konzeptuellen Arbeit "Tür" schließt Christoph
Aigner (geboren 1964 in Bludenz) seinen vor zwei Jahren im Dachboden
begonnenen Rundgang durch das Künstlerhaus ab. Geprägt von der real
vorhandenen Architektur des Raumes einerseits und von einer zweiten
Bedeutungsebene, die den bezeichneten Raum verbal erschließt (also
z. B. vom spanischen Wort für "Tür" auf "tragen" kommt), versucht
der Künstler eine mehrdimensionale Sicht von Raum zu vermitteln.
Wahrnehmungsdialog
Wechselnde Ausblicke bei gleichbleibendem Blickwinkel
zeigt hingegen Ruth Knünz (geboren 1966) in ihrer zweiteiligen
(Kopie und Videoprojektion) Arbeit "A Place". Mit dem
Wahrnehmungsdialog, der sich anhand eines Landschaftsausschnittes
abspielt, wagt sie einmal mehr einen keineswegs sentimentalen Blick
zurück in die vertraute Umgebung ihrer Kindheit, um festzustellen,
dass (fast) nichts mehr so ist wie es einmal war.
Weibliches Geschlecht
Im Thematisieren weiblicher Befindlichkeiten prallen in
den keramischen Objekten von Margit Denz (Jahrgang 1964) die Welten
einer eisernen Jungfrau und einer mit Nerz verbrämten Madame
Pompadour aufeinander. Die Dosen-Objekte, die das weibliche
Geschlecht symbolisieren, sind gleichermaßen einladend wie
abwehrend, zerbrechlich wie wehrhaft. Ähnlich ambivalente
Empfindungen löst auch die Arbeit von Ewa Kaja (geboren 1967) aus.
Weiße Hemden
Ihre Installation aus weißen Hemden, frei im Raum
hängend oder zugeknöpft an den Wänden, knüpft mit einer weiteren
Fassette nahtlos ans Thema der letzten Ausstellungen an. Mit
"anonymen" Todesanzeigen versehen, aus denen die Namen getilgt sind
und schwarze Balken die Gesichter der Verstorbenen verschleiern,
sprechen diese offensichtlich letzten Hemden aber eine noch
deutlichere Sprache. Weniger Reibungsfläche bietet freilich die
Malerei, auch wenn gleich drei Künstler(innen) die Fahnen dieses
Mediums hochhalten. Edmunda Hartmann (geboren 1937) ist mit farblich
zurückhaltenden Werken vertreten, während die gebürtige
Südafrikanerin Toy Cunningham (Jahrgang 1940) farbstarke Bildreihen
mit minimalen Variationen entwickelt, die sich am Ordnungssymbol des
Viereckes orientieren. Die figürlichen Arbeiten von Thomas Hoor
(geboren 1968) wirken zwar vital, sind im selben Maß aber auch
heterogen.
Arbeiten von Thomas Hoor: vital, aber . . .
(Fotos: Dietrich)
Arbeiten von Ewa Kaja und Margit Denz.
Die Arbeiten sind im Künstlerhaus in Bregenz bis 17. Februar zu
sehen, geöffnet Di bis Sa, 14 bis 18, So, 10 bis 12 und 14 bis 18
Uhr.