VN Do, 24.1.2002

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Kultur 

Weibliche Dominanz bei den Neuzugängen

Neue Mitglieder der Berufsvereinigung

Bregenz (VN-ag) Als zufällige Gruppenausstellung konnte man die alljährliche Präsentation der neuen Mitglieder der Berufsvereinigung charakterisieren. Wie jedes Jahr findet das Ereignis im Künstlerhaus-Keller statt und wie jedes Jahr mischt sich Neues mit Bekanntem. Die einzige Auffälligkeit betrifft in diesem Jahr die (wohl auch zufällige) weibliche Übermacht.

Mit seiner konzeptuellen Arbeit "Tür" schließt Christoph Aigner (geboren 1964 in Bludenz) seinen vor zwei Jahren im Dachboden begonnenen Rundgang durch das Künstlerhaus ab. Geprägt von der real vorhandenen Architektur des Raumes einerseits und von einer zweiten Bedeutungsebene, die den bezeichneten Raum verbal erschließt (also z. B. vom spanischen Wort für "Tür" auf "tragen" kommt), versucht der Künstler eine mehrdimensionale Sicht von Raum zu vermitteln.

Wahrnehmungsdialog

Wechselnde Ausblicke bei gleichbleibendem Blickwinkel zeigt hingegen Ruth Knünz (geboren 1966) in ihrer zweiteiligen (Kopie und Videoprojektion) Arbeit "A Place". Mit dem Wahrnehmungsdialog, der sich anhand eines Landschaftsausschnittes abspielt, wagt sie einmal mehr einen keineswegs sentimentalen Blick zurück in die vertraute Umgebung ihrer Kindheit, um festzustellen, dass (fast) nichts mehr so ist wie es einmal war.

Weibliches Geschlecht

Im Thematisieren weiblicher Befindlichkeiten prallen in den keramischen Objekten von Margit Denz (Jahrgang 1964) die Welten einer eisernen Jungfrau und einer mit Nerz verbrämten Madame Pompadour aufeinander. Die Dosen-Objekte, die das weibliche Geschlecht symbolisieren, sind gleichermaßen einladend wie abwehrend, zerbrechlich wie wehrhaft. Ähnlich ambivalente Empfindungen löst auch die Arbeit von Ewa Kaja (geboren 1967) aus.

Weiße Hemden

Ihre Installation aus weißen Hemden, frei im Raum hängend oder zugeknöpft an den Wänden, knüpft mit einer weiteren Fassette nahtlos ans Thema der letzten Ausstellungen an. Mit "anonymen" Todesanzeigen versehen, aus denen die Namen getilgt sind und schwarze Balken die Gesichter der Verstorbenen verschleiern, sprechen diese offensichtlich letzten Hemden aber eine noch deutlichere Sprache. Weniger Reibungsfläche bietet freilich die Malerei, auch wenn gleich drei Künstler(innen) die Fahnen dieses Mediums hochhalten. Edmunda Hartmann (geboren 1937) ist mit farblich zurückhaltenden Werken vertreten, während die gebürtige Südafrikanerin Toy Cunningham (Jahrgang 1940) farbstarke Bildreihen mit minimalen Variationen entwickelt, die sich am Ordnungssymbol des Viereckes orientieren. Die figürlichen Arbeiten von Thomas Hoor (geboren 1968) wirken zwar vital, sind im selben Maß aber auch heterogen.

Arbeiten von Thomas Hoor: vital, aber . . . (Fotos: Dietrich)

Arbeiten von Ewa Kaja und Margit Denz.

Die Arbeiten sind im Künstlerhaus in Bregenz bis 17. Februar zu sehen, geöffnet Di bis Sa, 14 bis 18, So, 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr.




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