761--Die Schau der Konstruktionen
Nach einer ruhigen Pressekonferenz, bei der alle ihre Liebe zu Okwui Enwezor bekundeten, einem ersten Rundgang durch das Fridericianum und die neue alte Binding-Brauerei und nach einigen Gesprächen steht wenige Stunden nach der ersten Möglichkeit, überhaupt mal zu schauen, einwandfrei fest: Die Documenta11 ist gelungen und es dürfte ganz schwierig werden, sie kaputt zu reden.

Die Präsentationen sind über weite Strecken perfekt, die Arbeiten haben Raum, die inhaltlichen Linien, die noch genauer zu untersuchen sind, fließen spürbar. Ein Labor nach dem anderen reiht sich aneinander ohne sich gegenseitig zu stören. Die Binding-Brauerei wurde zu einem großem Layrinth, in dem man aber nie das Gefühl hat, wirklich verloren zu gehen. Viele der Arbeiten haben mit Konstruktionen zu tun, seien es nun architektonische, menschliche oder ökonomische. Dazu paßt die klare grau-weiße Ausstellungsarchitektur, die sich a) der Kunst unterordnet und b) dem Betrachter dient, in dem sie immer wieder Ruhezone anbietet. So wurde diese documenta eine langsame, keine hektische. Sie lädt zum Flanieren ein, aber sie ist wiederum mehr als ein Spaziergang. Denn die Ausstellung ist anspruchsvoll, aber nicht, wie befürchtet worden ist, didaktisch.

Gleichzeitig erscheint sie wie eine Quintessenz aus den Schauen von Harald Szeemann vor 30 Jahren, Rudi Fuchs vor 20 Jahren und Catherine David vor 5 Jahren. Enwezor hat der Aufregung der d5, der Würde der d9 und der Politik der d10 eine aktuelle Form gegeben, die jung und alt gefallen dürfte.

Genauere Betrachtungen folgen, für die ersten Stunden nun noch ein paar Abbildungen:

Der Haupteingang des Ausstellungslabyrinthes Binding-Brauerei und Pressekonferenz in der Kasseler Stadthalle
Yinka Shonibare und Georges Adéagbo
Kutlug Ataman und Pierre Huyghe
Isaac Julien
Fabian Marcaccio und Mark Manders
Eija Liisa Ahtila und Craigie Horsfield
Feng Mengbo und Amar Kanwar
Hanne Darboven, Dieter Roth und Joelle Tuerlinckx
On Kawara und Stan Douglas
Shirin Neshat, gegenüberliegende Projektionen
Jeff Wall, Außenansicht Fareed Armaly und Candida Höfer

Christoph Blase

Daten: Documenta11 in Kassel, offizielle Eröffnung am 8. Juni 2002, täglich 10 bis 20 Uhr, bis zum 15. September 2002

Und hier gibt es alle Beiträge zur Documenta11 auf Blitz Review


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