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Sonja Oster-Grossmann gestorben Als Polizistin einer israelischen Spezialeinheit vernahm sie 1960 Adolf Eichmann. Wien (APA) - Die Bildhauerin Sonja Oster-Grossmann (77) erlag gestern, 6. Mai, in ihrer Wiener Wohnung den Folgen eines Schlaganfalls, wie ein Freund der Künstlerin heute der APA mitteilte. Sie lebte in London und Haifa. Im Jahr 1960 war sie Teil einer Spezialeinheit der israelischen Polizei, und bereitete in dieser Funktion die Einvernahme Adolf Eichmanns vor. Seit Beginn der neunziger Jahre lebte sie wieder in Wien.Oster-Grossmann wurde am 29. April 1926 als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Im Alter von dreizehn Jahren war sie bereits Vollwaise, und wurde mit einem ihr Leben rettenden Kindertransport nach London gebracht. Sie arbeitete in der Folge als Buchhändlerin, Munitionsfabrikarbeiterin, Diamantensetzerin und studierte außerdem Angewandte Kunst. Als aktives Mitglied der österreichischen Jugendbewegung "Young Austria" und des Londoner "Austrian Center" wurde sie stark geprägt vom Gedankengut und der Ideenwelt emigrierter österreichischer Linkssozialisten und Antifaschisten. 1946 kam sie nach Wien zurück und besuchte die Handelsschule. Nach Arbeiten als Verlagssekretärin emigrierte sie 1958 nach Israel. Dort wurde sie mit ihrer Vergangenheit als vertriebene Jüdin konfrontiert: als Mitarbeiterin bei der Untersuchungsabteilung der israelischen Polizei bereitete sie die Einvernahme von Adolf Eichmann vor und transkribierte die Interviews. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie anfang der neunziger Jahre endgültig nach Wien zurück und widmete sich ihrem künstlerischen Schaffen. Zuletzt wirkte sie als Interviewpartnerin in der von Amour Fou produzierten filmischen Dokumentation "Things. Places. Years. Das Wissen jüdischer Frauen. Absenz und Präsenz. Wien und London" mit, die derzeit fertig gestellt wird. Darin werden jüdische Frauen befragt, die als Kinder oder Jugendliche aus dem nationalsozialistischen Wien nach London flüchten konnten. Im Film kommen die Emigrantinnen, ihre Töchter und Enkeltöchter zu Wort. Zentrales Thema ist die Erfahrung von Vertreibung, Emigration und Holocaust eine Erfahrung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und im Leben junger jüdischer Frauen bis heute nachwirkt. 2003-05-07 16:01:27 |