Am liebsten aß er Erdäpfelsalat und nie
vergaß er eine Korbflasche mit Olivenöl mitzunehmen, wenn er sich von der
Provence "da hinauf" nach Paris begab. Cézanne - glaubt man den
Überlieferungen - war kein Gourmet. Im Gegenteil, die aufwendigen Diners
bei seinem Dichterfreund Emile Zola in Paris haben ihn abgestoßen, nicht
zuletzt wegen des affektierten gesellschaftlichen Gehabes, das damit
verbunden war.
Er selbst trotzte beharrlich allen guten Tischsitten. "Er kratzt seinen
Suppenteller aus, hebt ihn dann hoch und gießt die letzten Tropfen in
seinen Teller. Er nimmt ein Kotelette in die Hand und nagt das Fleisch vom
Knochen", beschreibt ihn etwa Mary Casatt, eine schillernde Figur der
impressionistischen Bewegung.
Loblied auf die Tomate und den Knoblauch
"Ich arbeite mit Ruhe und esse und schlafe ebenso", so sieht er sich
selbst, und er war auch nicht wirklich menschenfeindlich und schwierig. Er
brauchte nur Ruhe zum Arbeiten und die fand er in der Provence. "Man muss
sie immer und immer wieder aus unserer Kunst herausschmecken", sagte er
einmal über seine Heimat, deren Produkte er über alles schätzte. Olivenöl,
Kräuter, Knoblauch, Tomaten und Mittelmeerfische.
Wie sein Vater, ein als Huthändler zu beachtlichem Reichtum gekommener
Bergbauernsohn, bevorzugte er die provenzialische Küche ohne
Schnickschnack mit Fenchelsuppe, Sardellenpaste, Hammelkeule oder
Bouillabaisse. Doch auch dem Wein aus der Region und dem Cognac oder Rum
war er nicht abgeneigt. Auch nicht in späteren Jahren, als er wegen einer
leichten Diabetes Diät hätte halten sollen.
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| Jas de
Bouffan |
Immer wieder kehrte er ins elterliche Landgut Jas de Bouffan außerhalb
von Aix-en-Provence zurück, obwohl ihm seine Familie "unsäglich auf die
Nerven geht", wie er 1899 in einem Brief schreibt. Doch hier wird er von
seiner Mutter bekocht und umsorgt, wenn er von seinen Wanderungen
zurückkommt. Als Imbiss nahm er sich dabei Omelettes verschiedener
Geschmacksrichtungen und Farben mit, die er nach Art der Provenzalen
aufeinander schichtete, um sie dann wie eine Torte aufzuschneiden.
Schwingungen der Materie im Licht
Auch in Cézannes Still-Leben, die er bis zu seinem Tod malte, spielten
Früchte, meist in Kompositionen, die an ein Esszimmer oder eine Küche
denken lassen, die Hauptrolle. Dabei malte er vor allem Äpfel, Birnen und
Orangen. Der Grund: Cézanne arbeitete langsam, anderes Obst oder Blumen
hätten da bereits Form und Farbe verloren.
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| Still-Leben |
Im Folgenden eine kleine Auswahl an Gerichten, die sich Cézanne
schmecken ließ:
Dazu gehört die Salbei-Knoblauch-Suppe, die Königin der
provenzialischen Suppen, der Heilkräfte zugeschrieben werden: Man nehme
sechs Knoblauchzehen, einen Zweig frischen Salbeis, einen kleinen Zweig
Thymian, ½ Lorbeerblatt, grobes Salz und Pfeffer. Als Beilage Bauernbrot,
pochierte Eier, Olivenöl und geriebener Käse.
Wenn sich Cézanne in sein Landhaus zurückzog, nahm er gern Petits
patés chauds, in Mürb- oder Blätterteig gehüllte Teigtaschen mit, die
er manchmal auch in ein Schweinenetz oder ein Mangoldblatt gehüllt aß. Im
Teig verborgen: Eine Fülle aus Schinken, Wurstbrät und Fasanenbrust.
Zubereitet wird das Ganze im "Tian", einem glasierten Tongefäß, serviert
wird es mit Tomatensauce.
Zu festlichen Gelegenheiten werden in der Haute-Provence Goldbrassen
serviert, die mit Petersilienstängeln, gehacktem Fenchelgrün und einer
halben in Scheiben geschnittenen Zitrone gefüllt sind und in einem
Gemüsebett aus Zucchini, Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln und Petersilie
gegart werden. Dazu serviert man die von Cézanne geliebte Aioli, eine
Knoblauchmajonäse, die auf ein geröstetes Brot gestrichen wird.
Appetit auf mehr? Im Bildband "Zu Gast bei Cézanne. Der Künstler als
Gourmet." finden sie 50 Rezepte, das Kalbsragout nach Art Aix ebenso wie
ein Schneckenragout mit Spinat oder Makkaroni mit Lammsauce. Erschienen
ist das Buch im Heyne Verlag München.
Tipp:
Die beiden Starköche Reinhard Gehrer (Korso) und Stefan Hierzer
(Imperial) haben ihren Beitrag zum Cézanne-Hype geleistet und ein
sechsgängiges "impressionistisches Menü" erstellt, bei dem sie in ihren
Restaurants etwa "getrüffeltes Kaninchenfilet auf Artischockensalat nach
der Art der Madame Bremond" auftischen, oder "Geflämmtes Apfeltörtchen mit
Honigeis aus der Stadt Aix in der Mandelhippenblüte auf Fruchtsaucen der
Grundfarben von Cézanne". Bon apetit.