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| 09.09.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Eugen Lendl: Ferngesteuert | ||
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"Es ist egal, ob man Gedichte oder Programme schreibt,
sie sind alle wie Partituren - man muss sie nur lesen können", so Thomas
Baumanns Devise. In der DVD-Installation "Plot:Bach" kulminieren einfache
geometrische Zeichen rhythmisiert durch eine Bach-Fuge zur elektronischen
Ornamentik erster Güte. Daraus digital generiert: farbige Tiefdrucke (1450
Euro) - Paul Klee und Wassily Kandinsky lassen grüßen, wussten sie ihr
Publikum doch Anfang des 20. Jahrhunderts durch den "Klang der
Bilder" zu begeistern. "A lots of nots", ein Ensemble aus Spiralmöbel
(18.000 Euro), erinnert formal an den russischen Konstruktivisten Wladimir
Tatlin. Als akustische Komposition spielt es Variationen des Thomas
Bernhardschen "nicht", das dieser provokant oder augenzwinkernd ans Ende
einer Aussage oder Behauptung setzte, und scheint damit die tautologischen
Wortspiralen Bernhards noch um einiges höher zu zwirbeln. Stets findet der
1967 gebürtige Österreicher zur Symbiose von Technik, Naturwissenschaft,
Musik und bildender Kunst. So kommen auch seine Tuschzeichnungen und
Malereien selbstverständlich aus computergesteuerten selbst gebauten
Plottern: ein ironischer Seitenhieb auf einen expressionistisch
subjektiven Gestus in der Malerei? Die Aluminiumskulptur "Spinne und
Stern" (11.000 Euro) spielt auf die Begrenztheit des Galerieraums an,
zwingt den Betrachter zur Interaktion, und sei es die des Darübersteigens
oder Ausweichens. Selten findet man im Österreich dieser
Künstlergeneration ein ähnlich komplexes Schaffen, das bei aller
methodischen Strenge Interpretationswege für den Betrachter offen lässt.
(Bis 2. Oktober, Hans Sachsgasse 1/1, 8010 Graz). MEDIENTURM: VERMUMMTEine Versuchsanordnung des Architektenkünstlers Thomas
Kienzle sieht etwa so aus: Man nehme PU-Schaum (eigentlich zur Abdichtung
von Fenstern geeignet) und sprühe damit einen Computer ordentlich ein.
Dann zwei Kameras, eine inner-, die andere außerhalb des Rechners,
aktivieren - und schon sendet das Ding Bilder seiner eigenen Zerstörung
ins Internet. All das aber nur als Auftakt: Denn G.R.A.M., die sich der
ironischen Inszenierung brisanter politischer Themen im Kunstbereich
verschrieben haben, treiben den Zerstörungsprozess auf die Spitze. Mit via
Internet veröffentlichten Videos über Geisel-Enthauptungen durch
islamistische Glaubenskrieger will das Künstlerduo inhaltlich die
Zerstörung des Computers verbinden und haut daher vermummt auf die
Maschine ein. Absurd genug, dazu liest eine weibliche Stimme in persischer
Sprache auch noch aus der Bedienungsanleitung für den Computer vor. Ob
dahinter eine ernst zu nehmende Kritik an den Massenmedien steckt? Ein
gelungener Brückenschlag zu G.R.A.M.s 2003 durchgeführter
Neuinterpretation einer Rudolf-Schwarzkogler-Aktion ist es allemal. Und
über die Tatsache, dass der Projekttitel "Allhamduleilah" aus dem
Persischen kommt und "Gott sei Dank" bedeutet, kann man sich auch noch
Gedanken machen. Oder auch nicht. (http://projects.medienturm.at/GRAM;
Großmarktstraße 8b, 8020 Graz) Manisha Jothady |
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