Das MAK zeigt Möbelformationen und Bühnenwelten Heimo Zobernigs
Ohne Kunst, ohne Titel
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Heimo Zobernig, Liebling der heimischen Kunstwelt, stellt seine
schlichten Möbelanordnungen im MAK aus. Im Bild: "Ohne Titel", 200.
Foto: Archiv Heimo Zobernig
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Für nicht eingeweihte Besucher des Museums angewandter Kunst (MAK) ist
Heimo Zobernigs Intervention "Total Design" wohl kaum verständlich.
Zobernig ist eine Schlüsselfigur der österreichischen Kunstszene, und
ist auch fast so etwas wie ein "MAK-Künstler". Er hat im Haus
beispielsweise die Aufstellung der Wiener Werkstätten Schausammlung
gestaltet. Einige Zobernig-Werke befinden sich bereits in den
MAK-Sammlungen.
Man betritt die aktuelle Zobernig-Schau durch
einen Tunnel aus blauer Bühnengaze, der gleichzeitig auch als Kinoraum
funktioniert. Das gezeigte "Video Nr. 17" wurde während einer anderen
Ausstellungseröffnung in der Felsenvilla in Baden gedreht. Unter dem
Titel "Sharawadgi" stellten dort neben Zobernig Größen wie Donald Judd,
Dan Graham oder Olafur Eliasson aus.
Wie im Ikea-Depot
Bildebenen und Ausstellungseinblicke, aber auch Ausblicke in einen
Park, werden in die neue Schau verwoben, wobei Möbel, Fenster oder
Luster zuweilen etwas isoliert aussehen. Die Regale aus
Pressspanplatten, die nach Zobernigs Anleitung seit den 80er Jahren
industriell gestaltet wurden, stehen neben einander wie in einem Depot
oder bei Ikea.
Doch hinter der scheinbaren Kunst- und Titellosigkeit von Zobernigs
Werken, verbirgt sich nicht nur das Kalkül einer ironischen Distanz zum
Kunstbetrieb, bei gleichzeitiger Teilhabe am Markt. Dahinter steckt
schon auch ein Konzept: Die Hinterfragungen des Museums als
(Aufdeckungs-)Ort gesellschaftlicher und sozialer Mechanismen ist in
der Nach-Beuys-Generation äußerst komplex. Bei Zobernig beschwören die
Materialien keine Inhalte mehr herauf, die Aura des Kunstwerks hat sich
verflüchtigt und auch der Künstler selbst hat sich anonymisiert.
Ein Beispiel gefällig? Zobernig hat ein Podium aus der
Vorgängerausstellung, die Franz West gewidmet war, in seine Schau
integriert. Diese freundliche Übernahme funktioniert vielleicht nicht
unbedingt als Kunstobjekt, aber erzählt viel von multipler
Autorenschaft.
Kopie der Kopie
Ein weiteres Beispiel für Fremd-Autorenschaft: Zobernig hat 2003
einen Schrank Kolo Mosers von 1904 kopiert. Diese Kopie wurde nun von
Schweizer Häftlingen noch einmal kopiert. Alle drei Schränke, Mosers
Original, Zobernigs Kopie und die Kopie der Kopie sind nun im MAK
vereint. Der antike Philosoph Platon wäre mit dieser Komplexität des
Kunstbegriffs wohl nicht klar gekommen. Wir Postmodernen lieben
hingegen offene Betrachterfragen durch Spiegel und Paravents, die
minimalistisch so alte Baurätsel wie Labyrinthe und Panorama als
schlichte Module im Raum verteilen.
Zobernig begann als Bühnenbildner an andere Künste zu denken.
Bildende Kunst
Heimo Zobernig.
Total Design Bärbel Vischer (Kuratorin) MAK, bis 29. März
Printausgabe vom Mittwoch, 22. Oktober 2008
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