12.02.2003 20:59
Ein Depot-Besuch ohne Scheckbuch
Triste Zukunft für die Diskurs-Institution
Wien - Der Fortbestand des Depots, 1994 von
Ex-Bundeskunstkuratorin Stella Rollig gegründet, war zwar schon mehrfach
gefährdet, doch derart ernst wie jetzt schien die Situation noch nie: Der von
Wolfgang Zinggl geleitete Raum für Diskurs und Theorie in der Breite Gasse 3
existiert nur mehr dank Solidaritätsbekundungen. Denn es gibt bis dato keine
Subventionszusagen. Weder vom Bund noch von der Stadt Wien. Die fünf Mitarbeiter
mussten daher gekündigt werden. Der Vermieter verzichtet bis März auf sein Geld.
Und das Programm bestreiten diverse Organisationen und Veranstalter.
Am
Dienstag z.B. lud die kulturpolitische Forschungsgesellschaft Fokus zu einer
Diskussion über den Karls-platz ein, der sich eher als "Verkehrshölle" denn als
"Kunstplatz" präsentiert - und dringend eines stadtplanerischen Konzepts bedarf.
Das Architektenteam Jabornegg/ Palffy hatte, wie berichtet, ein solches
erstellt. Zusammen mit einer unterirdischen Erweiterung des Künstlerhauses, die
vergleichsweise kostengünstig zu realisieren wäre, weil es aufgrund des
U-Bahn-Baus imposante Hohlräume gibt. Und Wolfgang Kos, designierter Direktor
des Historischen Museums, würde diese gerne nutzen.
Doch Kulturstadtrat
Andreas Mailath-Pokorny (SP) konnte wiederum nur sein Wohlwollen gegenüber all
den Plänen zum Ausdruck bringen: Ja zu einem "gescheiten Leitsystem", Ja zu
einer Vernetzung der Kulturinstitutionen, Ja zu einer Verlegung der
Straßenbahngeleise. Martin Fritz, Kurator und Publizist, brachte es genervt wie
enttäuscht auf den Punkt: "Wir spielen ja. Aber dafür braucht es
Geld."
Und dieses fehlt. Mailath hatte bei seinem Gang in die Höhle des
Zingglschen Löwen "kein Scheckbuch" dabei: "Wir müssen uns überlegen, ob wir
überall dort einspringen, wo der Bund als Subventionsgeber ausfällt." Zudem:
"Wir müssen auch neue Initiativen unterstützen." Die Hoffnungen auf eine Rettung
des Depots schwinden zusehens.
PS: Die Solidaritätsveranstaltung 41 am
24. Februar (19 Uhr) bestreitet DER STANDARD mit
einem Vortrag von Claus Philipp über Spielräume.
(DER STANDARD,
Printausgabe, 13.2.2003)