VON ARIANE
GRABHER
Bregenz (VN) "Geboren in Vorarlberg, lebt und arbeitet in Wien":
das gilt mit Willi Kopf, Karl-Heinz Ströhle und Franz Türtscher
zumindest für drei der vier im Bregenzer Künstlerhaus präsentierten
Künstler.
Philipp Hämmerle, der Vierte im Bund, lebt in New York. Doch
längst gilt: diese Propheten gelten auch im eigenen Land. Aus der
Welt der Dinge schöpft Willi Kopf (geboren 1949). Wie
suprematistische Miniarchitekturen, Objekte aus einer anderen Welt,
wirken Arbeiten mit suggestiven Titeln wie "Racer" oder "Terminal
Green". Unter Glasstürzen geborgen, formieren sich Klemmen, Feilen,
eine Säge, Plastikteile, Haken, Nägel, Kunststoffgriffe, ein
Metallständer als Teile aus der industriellen Massenproduktion zu
Skulpturen, die seltsam entrückt scheinen und den Betrachter Staunen
machen.
Biotop "Kunst"
Unkonventionelle Anwendungen für konventionelle Dinge sorgen
dafür, dass Alltägliches in neue, größere Zusammenhänge überführt
wird, die einer "noch nicht bekannten Ordnungssystematik" gehorchen
und deswegen erst einmal im Biotop "Kunst" untergebracht werden. Und
obschon es bekanntlich leichter ist zu lernen als zu vergessen,
schafft es Kopf, die Begegnung mit seiner Dingwelt so zu gestalten,
als würde man die Dinge tatsächlich das erste Mal sehen.
"Wireframe", eine Werkserie von Federstahlskulpturen, fügt sich
äußerst konsequent in das Schaffen von Karl-Heinz Ströhle (geboren
1957) ein. Die werkimmanente Affinität Ströhles zur Linie resultiert
in freistehenden Gebilden und Objekten, flaschenartig, wie ein Paar
Hosenbeine oder ein Zylinder geformt, deren fragile und doch stabile
Konstruktionen durch Impulse in Schwingung versetzt werden können.
Dergestalt bewegt, dehnen sie die Gattungsgrenzen von Skulptur,
Architektur und Performance.
Der gefärbte Blick
In Richtung Performance gehen auch die jüngsten Aktivitäten von
Philipp Hämmerle (geboren 1967). Festgehalten in
Schwarzweissfotografien, die für einmal nicht gehängt sind, sondern
nur an den Wänden lehnen und damit das Momenthafte des Geschehens
verstärkt akzentuieren, spielt der Künstler mit Mensch und Skulptur.
Selbstverständliche Materialien (transparente Plastikhüllen), die
immer wieder gern genommene New Yorker Kulisse und ein
Promi-Aufgebot (Porträts von Naomi Campell und Robbie Williams)
sorgen für Kunst-Entertainment. Während Hämmerles Protagonisten die
Welt verzerrt durch eine Plastikhülle wahrnehmen, sorgt Franz
Türtscher (geboren 1953) u. a. für eine rosa Sicht auf die Dinge. In
seinem in den Raum expandierenden Konzept "Alles ist Farbe - Der
gefärbte Blick" operiert Türtscher mit Farbe als autonomer Qualität.
Aus dem in Beziehung gesetzten Nebeneinander von farbimmanenten
Eigenschaften wie hell-dunkel oder kalt-warm ergeben sich
variationsreiche Beziehungen.