Graz nimmt nur langsam Abschied als
Kulturhauptstadt Europas
Mehrzahl der Bauwerke wie Murinsel oder
Marienlift sollen bleiben - Verhandlungen seien bis Ende
Jänner abzuschließen
Graz (APA) - Graz
will nicht von den Manifestationen und Symbolen seines
Kulturhauptstadt-Seins lassen, was schon bei einem Anruf im
Rathaus durchklingt, wenn man von einer freundlichen
Tonband-Stimme mit "Stadt Graz, Kulturhauptstadt Europas,
Guten Tag" in die Warteschleife gelegt wird.
Abgesehen
von architektonischen Vermächtnissen wie Kunsthaus und
List-Halle werden mehr temporäre Installationen und Objekte
dauerhafter als geplant im Stadtbild bleiben. Die Murinsel ist
bis 2013 fix verankert, der Marienlift wird noch einige Jahre
den Blick vom Eisernen Tor in Dachtraufenhöhe auf die
Herrengasse eröffnen und auch der schon verkaufte
Uhrturmschatten wird voraussichtlich für eine - einjährige -
"Ehrenrunde" am Schloßberg bleiben.
Fix ist der
Verbleib der Acconci-Insel in der Mur: Die Genehmigung zum
Schwimmen wurde kürzlich erteilt, wie Graz
2003-Geschäftsführer Eberhard Schrempf der APA mitteilte.
Wobei die Stadt die Zugänge über die Murufer zu genehmigen hat
und der Fluss dem Bund gehört, aber vom Land verwaltet wird.
Der ausgelaufene Pachtvertrag mit dem Betreiber des
Murinsel-Cafes werde derzeit verhandelt. Über die
Nutzungsrechte für die Insel werde "gesprochen", u.a. mit der
Styria-Verlagsgruppe und Red Bull-Dietrich Mateschitz, wie
Schrempf bestätigte. Rein technisch ist die Insel auf eine
Lebensdauer von 50 Jahren konzipiert, dürfte aber länger
halten.
Der Marienlift am Eisernen Tor werde aller
Voraussicht nach bestehen bleiben. Er wird
höchstwahrscheinlich von einem privaten Unternehmen aus dem
"Geldsektor" erworben und betrieben. Diese Transaktion sei,
wie alle anderen, noch im Jänner abzuwickeln, weil die
2003-Gesellschaft bis März die Schlussbilanz vorlegen muss.
Der Lift wurde bisher mehr als 70.000 Mal für einen Euro
Gebühr in Anspruch genommen.
Bezüglich des
Uhrturmschattens von Markus Wilfing gebe es noch keine
endgültige Entscheidung. Der neue Eigentümer, die Shopping
City Seiersberg-Gesellschaft, will ihn für ein weiteres Jahr
am Schloßberg belassen. Ausständig seien dafür u.a. noch die
Genehmigungen von Denkmal- und Naturschutz sowie der
Baubehörde. Die 15 im Grazer Stadtbild kurvenden
schwarzgelben "Kunsttaxis" mit Kultur-Infos über DVD sollen
weiter Passagiere befördern. Laut Projektinitiator Fedo Ertl
wisse man in drei Wochen mehr. Gelingt die Weiterführung des
Projekts nicht, werde die technische Ausstattung, die "2003"
gehört, ausgebaut und die Klebefolien an den Kfz
abgezogen.
Verschwinden sollen auch temporären Bauwerke
wie der "Eingang zu Chinatown" am Karlauer Gürtel sowie die
den Grazer Geschäftsleuten für ihre Auslagengestaltung zur
Verfügung gestellten "2003"-Symbole. Als eine ihrer letzten
Tätigkeiten vor der Auflösung Ende April wird die
2003-Gesellschaft noch "die Marke mit dem blaugrünen Farbcode
einer weiteren Nutzung" zuführen. "Hier brauchen wir ein
Dachmarkenmanagement", so Schrempf.
2004-01-19
11:04:43
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