| Künstlerpaare: Charlotte Wiesmann/Thomas
Steiner, Maria Moser/Heinz Göbel, Marion
Kilianowitsch/Walter Kainz
(v.o.) | |
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| Das Rot würde ich nie
verwenden |
Drei Künstlerpaare haben ihre
Staffeleien im Stift Reichersberg aufgestellt. Bis 26.
September sind ihre Werke in der Landesausstellungs-Schau
"...dieselbe Luft" zu sehen.
"In unserem 400
Quadratmeter großen Atelier hat jeder seine Seite, dazwischen
gibt es ein Niemandsland mit Gerümpel", sagt Maria Moser.
"Aber ich habe Leinwände gespannt, damit das Rot nicht so zu
mir herüberleuchtet", ergänz Lebenspartner Heinz Göbel
schmunzelnd. Ein Scherz? Kann sein. Doch in der Sache trifft
der Wortwechsel auf jeden Fall. Wer glaubt, dass Künstlerpaare
Rücken an Rücken im Atelier werken, sich immer innig
austauschen, liegt falsch. Zumindest was jene drei Paare
betrifft, die bis 26. September in Stift Reichersberg ihre
Werke präsentieren.
Eigenständige
Positionen
Thematisch will die Schau "...dieselbe
Luft" zeigen, ob und welche gegenseitigen Einflüsse bei
Künstlerpaaren existieren und wo doch individuelle
Grenz-Ziehungen nötig sind. "Wir wollten den Einfluss von
Anfang an so gering wie möglich halten", sagt Göbel, der in
Reichersberg Farblandschaften in gedeckten Steinfarben zeigt.
Mit dem magisch glühenden Rot auf dem recht weit weg gehängten
Bild seiner Partnerin hat er gar keine Freude: "Diese Farbe
würde ich nie verwenden. Bei anderen Ausstellungen gefällt uns
das gleiche." Das gemeinsame Kunstverständnis bei gleichzeitig
ganz eigenständigen künstlerischen Positionen sorgt für
Spannung. "Bei uns hat's ziemlich geknirscht", erinnert sich
Moser. Auch heute knistert's noch kräftig, wenn die beiden
über Kunst diskutieren und um die genau passenden
Formulierungen ringen.
"Ich fühle mich immer gefragt.
Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel meinen Senf
dazugebe, auch wenn Charlotte das nicht will," sagt Thomas
Steiner. Seine zart farbigen Collagen, über die dunkle Linien
tanzen, hängen übers Eck mit den Arbeiten seiner Frau. Auch
sie wählt für ihre Wachsbarren "Please keep moving", die wie
Seifenstücke an die Wand gepappt sind, Pastelltöne. Über zwei
Bildschirme flimmern Filmbilder, rasen Buchstaben, bewegt sich
ein Körper in wechselnd farbigem Umfeld. Gearbeitet wird in 15
Kilometer entfernten Ateliers, doch Beruf und Privatleben
lassen sich kaum trennen. "Manchmal frage ich mich: Wann ist
unser Feierabend?", sagt Wiesmann.
Permanenter
Austausch
"Als Künstlerpaar kann man permanent
Austausch haben, wenn man will", sieht Marion Kilianowitsch
vor allem Vorteile. Sie und Partner Walter Kainz nützen
verschiedene Atelier-Räume gemeinsam - allerdings nie
gleichzeitig. Auch ihr Arbeitsmaterial ist getrennt. In
Reichersberg zeigt die Künstlerin eine große Stahltafel und
kleine gebogene Blechquadrate, auf denen sie mit dem
Schweißkolben bizarre Muster malt. Auch Kainz präsentiert ein
großes Bild und kleinere Arbeiten: Zauberhafte weiße
Blütenkelche auf tief durchfurchten, mit Transparentpapier
kaschierten Holzplatten.
Bei der Vernissage dieser
kleinen feinen Ausstellung sorgten Maria Ferscha (Text) und
Helmut Rogl (Musik) mit einer getanzten Performance für das
Rahmenprogramm. Die auch an der Akustik krankende
Klangperformance mit peinlich-banalem SMS-Liebesgesäusel wurde
durch die Kostümierung des Tanzpaares (Spitzenunterkleid und
himmelblaue Bändchen) noch ein Stück näher in Richtung Kitsch
gedrängt. Sowas kann passieren, wenn ein Künstlerpaar zu sehr
im eigenen Saft schmort - auch wenn es die anderen drei Paare
nicht verdient haben.
vom
09.09.2004 |
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