Die Kunstmesse Viennafair ist ein Gradmesser für die Krise auf dem Kunstmarkt
Fällt die Kunstaktie jetzt im freien Flug?
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Der Kunstmarkt im Visier: Von 7. bis 10. Mai findet die Viennafair
statt. Gottfried Leitner: "Steinschleuder", 2008. Foto: Galerie Lang
Wien
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Von von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aktie Kunst wankt, aber die Stimmung am Kunstmarkt ist positiv.

Viennafair: Vom 7. bis 10. Mai am Messeplatz.
Wien.
Noch vor kurzem waren die Prognosen für den Kunstmarkt schwärzer als
schwarz: Auktionshäuser lamentierten über weniger Umsatz, sahen sich
gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen, obwohl noch im vergangenen
September, als die Finanzwelt bereits ordentlich torkelte, einzelne
Auktionen noch Rekordergebnisse einfuhren. Die Werke des englischen
Gegenwartskünstlers Damien Hirst brachten etwa mehr ein als die bislang
zu Höchstpreisen gehandelten Impressionisten.
Kritiker der unverhältnismäßig hohen Preise, die auf internationalen
Messen von Händlern oder Auktionshäusern ständig nach oben lizitiert
wurden, sehen nun mit Schadenfreude die Aktie Kunst mit der Finanzkrise
fallen. Anteile an Kunstfonds sind heute kein Thema mehr und
Spekulanten angeblich aus dem Spiel.
Es keimte sogar bei Kunstjournalisten schon ein zartes Pflänzchen
der Hoffnung auf eine selbst bestimmte, veränderte Kunst, die sich
weniger um den Markt als um das ästhetische Bewusstsein der Betrachter
und ihr eigenes Anliegen schert. Eine Kunst mit neuen Inhalten soll wie
Phönix aus der Asche aufsteigen.
Das klingt wie die Utopie vom besseren Menschen in Armut. Aber am
Kunstmarkt ist schon wieder alles ganz anders. Zwar sind die
dreistelligen Millionenbeträge für einen mit Diamanten besetzten
Totenkopf von Hirst mittlerweile unwahrscheinlich geworden, aber auf
der kürzlich veranstalteten Art Cologne, die Kölner Kunstmesse gilt als
eine der bedeutendsten der Welt, wurde weiterhin gut verkauft. Die
Sammler waren trotz schlechter Wirtschaftsdaten Deutschlands zur
Stelle. Galeristen setzten auf seriöse Ware und wie gehabt auf große
Namen, vom Experimentieren ist indes weniger die Rede.
Vom Geld zum Geist
Entspannung ist also die Devise für die Wiener Galerien, die sich
für ihr diesjähriges Auftreten während der Viennafair eine
anspruchsvolle Stimmungsmache mit international bekannten
Kuratorenpersönlichkeiten ausgedacht haben. Von Mittwoch 7. bis
Sonntag, 10. Mai findet die Messe für zeitgenössische Kunst mit Fokus
auf Zentral- und Osteuropa am Wiener Messeplatz statt.
Vom Geld zum Geist ist in Zeiten wie diesen keine schlechte
Strategie. Eine Parallelaktion zur Kunstmesse nennt sich "curated
by_Vienna 09" und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wiener Galerien,
finanziert von der Stadt. Ergänzt wird das Programm noch durch
"breathless", eine Schau bei der Baustelle Wien Mitte, zusammengestellt
von jungen heimischen Galerien. Zur Eröffnung am Donnerstag wurde die
namhafte Performerin Carola Dertnig engagiert.
Ablenkung durch Kunst
Waren Kuratoren nach 2000 nicht ziemlich out? Jetzt sind sie
offenbar wieder da, um ein wenig Ablenkung zu bringen: Wer will schon
dauernd von der Krise hören oder gar den Vorwurf bekommen, der Preis
habe all die Jahre nichts mit dem eigentlichen Wert der Kunst zu tun
gehabt?
Luft aus der Blase lassen, kann tatsächlich nicht schaden. Bleibt
abzuwarten wie viel weniger die Sammler dieses Jahr kaufen und wie
kreativ der Umgang mit Inhalten und herab gestuften Preisen sein wird.
Wenn sich Qualität mit großen Namen trifft, ist jedoch wenig Änderung
zu erwarten.
Printausgabe vom Mittwoch, 06. Mai 2009
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