Manna vom Antichrist
(cai) Schminken ist eine Spielart des Selbstporträts. Oder des
Sadomasochismus. Jedenfalls dann, wenn selbsttätige Make-up-Produkte (oder
womöglich werden sie von Satans Lieblingsrockstar Marilyn Manson
ferngesteuert) über ein wehrloses Gesicht herfallen. Und die natürliche
Ausstrahlung so lange massakrieren, bis die Märtyrerin der Kosmetik
aussieht wie das Bildnis des Dorian Gray im Endstadium. Naomi Devil, eine
vielversprechend freche, aber im Grunde eh brave Malerin, dürfte sich mit
dem Horrorszenario namens Leben auskennen. Hat auch eine glaubwürdige
Vision von einem "Pharmageddon", wo das Manna vom Antichrist (Tabletten)
als endzeitliche Plage die Menschheit heimsucht.
Dagegen sind die Küchenstillleben von Emil Herker, der den makellosen
Glanz sämtlicher Trinkgläser seines Haushalts zelebriert (und den
aufreizend bunten Verpackungen aus dem Supermarkt huldigt), heile Welten
ohne Glaskorrosion, in denen das Geschirrspülmittel alles wiedergutmacht.
Ein gläubiger Konsument. Meister des Product-Placements, der auch vor
gewagten Konstellationen (Wodkaglas neben alkoholfreien Suppenwürfeln)
nicht zurückschreckt. Und Maximilian Otte weiß, wie die wahre First Lady
von Uncle Sam aussieht: plakativ blond, mit implantiertem, prallem
Sexappeal. (Die Freiheitsstatue halten ja nur die Puritaner für die
amtierende Miss Amerika.) Was die Bilder verbindet? Damit deckt Galerist
Exner wacker seinen Anteil am Sommerloch zu.
Galerie Wolfgang Exner
(Rauhensteingasse 12)
Junger Sommer 2006
Bis 10. September
Mo. bis Fr. 11 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 17 Uhr
Wohnzimmertauglich.
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Mauerblümchenlook
(cai) Karen Pontoppidan würde auch aus der Goldmarie ein
Mauerblümchen machen. Sie mindestens einschwärzen. Mit allen Finessen legt
sie sich ins Zeug, damit ihre Broschen und Ringe schäbig und arm aussehen.
Graviert auch noch banale Motive ein (ein Bügeleisen ist ja kein
Prestigeobjekt). Müssen wir jetzt sogar beim Schmuck nach der
inneren Schönheit suchen?
Galerie V & V
(Bauernmarkt 19)
Karen Pontoppidan
Bis 13. September
Mi, Do. 14 bis 18.30 Uhr
Fr., Sa. 11 bis 18 Uhr
Eigentlich provokant.
Mittwoch, 30. August
2006