Bundesministerin Claudia Schmied hat heute mitgeteilt, dass der Vertrag des Generaldirektors des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, nicht verlängert wird. Das Vertragsende ist daher definitiv am 31. Dezember 2008. Damit endet für den umstrittenen Seipel eine 17-jährige Amtszeit.
"Habe größtes Verständis"
Seipel selbst reagiert in einem ersten knappen Statement verständnisvoll: "Ich akzeptiere diese Entscheidung und habe dafür größtes Verständnis", so Seipel. Diese Entscheidung gäbe der Bundesministerin die Möglichkeit, "durch eine neue Führungspersönlichkeit langfristige Weichenstellungen für eine erfolgreiche Zukunft des Kunsthistorischen Museum durchzuführen".
Keine Andeutungen gab es darüber, wer diese neue Führungspersönlichkeit sein könnte. Die Entscheidung, Seipels Vertrag nicht zu verlängern, sei aber in "höchster gegenseitiger Wertschätzung" getroffen worden.
Seipel werde bis zu seiner Pensionierung Ende 2009 dem KHM und der neuen Leitung als Partner zur Verfügung stehen.
Rücktrittsfoderungen nach "Saliera"-Diebstahl
Kritiker fanden immer wieder Stoff für heftige Angriffe: Den spektakulären Diebstahl der später wieder gefundenen "Saliera" etwa. Im Zuge dessen wurde mit Rücktrittsaufforderungen an Seipel nicht gespart. Und die Kritik wurde nicht leiser, als nach der Verhaftung und späteren Verurteilung des Einzeltäters Robert Mang klar wurde, wie leicht die Sicherheitsvorkehrungen des Museums zu überwinden waren.
Doch Seipel konnte sich nicht nur in dieser Causa der Rückendeckung durch die damals für Museen zuständige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sicher sein: Auch bei den heftigen Angriffen rund um einen kritischen Rechnungshof-Bericht stellte sich die Ministerin hinter den KHM-Generaldirektor.
Grüne: "Besser spät als nie"
"Besser spät als nie" kommentiert der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, die Ankündigung. "Einerseits müssen wir froh darüber sein, dass die Ära Seipel endlich ein fixes Ablaufdatum hat, andererseits sind weitere 15 Monate der Unfähigkeit und Verschwendung im größten und bedeutendsten Museum Österreichs nicht akzeptabel und jedenfalls kein Grund für Euphorie", so Zinggl in einer Aussendung.
Milder urteilt man in der ÖVP: "Wilfried Seipel ist unbestreitbar der erfolgreichste Langzeitdirektor eines Bundesmuseums", meinte Kultursprecher Franz Morak. Seipel habe sich bei der Reform und Modernisierung der österreichischen Bundesmuseen wie bei der Ausrichtung von erfolgreichen Großausstellungen verdient gemacht.
SPÖ: "Große Erleichterung"
FPÖ-Kultursprecher Herbert Kickl nannte den Umstand, dass der Vertrag von KHM-Direktor Wilfried Seipel nicht verlängert werde, "erfreulich". Diese Entscheidung sei längst überfällig gewesen. "Spätestens nach dem Saliera-Diebstahl und den vernichtenden Rechnungshofberichten hätte Seipel eigentlich den Hut nehmen müssen", so Kickl in einer Aussendung.
SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen nimmt die Entscheidung "mit großer Erleichterung zur Kenntnis". Muttonen sieht in der Ablöse Seipels die bisherige Kritik am Führungsstil des Museumsdirektors eindeutig bestätigt: "Das Vorgehen der Ministerin ist die richtige Weichenstellung für eine erfolgreiche Zukunft des Kunsthistorischen Museums", so Muttonen in einer Stellungnahme.
(APA/Red.)