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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
16. Juli 2008
18:23 MESZ

Galerie Hilger. Dorotheergasse 5, 1010 Wien. Bis 1. 8.

Link: www.hilger.at

 

 

Unheilvolle Geschwister
Rainer Wölzl nimmt Anleihen bei den ganz Großen - in der Galerie Hilger

Sonnenflecken tanzen über den Weg. Bogenförmig schließt sich das dünne Geäst der dicht beieinander stehenden Bäume zum lichten Dach. Und die Stille in unserem Kopf gaukelt uns sogar das Säuseln des Windes vor, der vermeintlich mit den nackten Zweigen spielt.

Vermeintlich ist das entscheidende Wort in diesem Bild der Serie "Museum der Schatten". In Rainer Wölzls Schattenreichen aus Kohle scheint das bei Goethes Götz von Berlichingen entlehnte Sprichwort "Wo Licht ist, da ist auch Schatten" neue Bedeutung zu erhalten. Da ist das Licht nur die Schwester des Schattens, reichen beide einander unheilvoll die Hände.

Was in den Anleihen, die Wölzl bei den albtraumhaften Zyklen Goyas ("Caprichos") und Piranesis ("Carceri d'Invencione") nimmt, offensichtlich ist, verraten in anderen Bildern die Titel: Die undurchdringliche Mauer aus Baumstämmen, die einem beim Nähertreten bedrohlich über den Kopf ragt, offenbart sich als "Hecke zur Tarnung des Krematoriums V in Auschwitz-Birkenau".

Grau ist nicht nur Wölzls "Farbe der Moral", wie es in Zusammenhang mit seiner "Pergamon"-Serie (1998/99) hieß, in der er die grausamen Szenen des antiken Frieses durch nicht minder brutale Kapitel des 20. Jahrhunderts (Kosovo, Golfkrieg u. a.) ersetzte, sondern auch die Farbe der Erinnerung und des Entschwindenden.

Zusätzliche Distanz erzeugen in seinen monumentalen Bildpanoramen, die meist aus kleineren Formaten montiert sind, die Zwischenräume. Die Bilder erscheinen wie durch Fenster gesehen und rücken so in eine historische und für den Betrachter unbedrohliche Ferne. Ungefährlich auch für den Künstler Wölzl, 1954 in Wien geboren und seit 1990 an der Universität für angewandte Kunst unterrichtend, selbst. Denn mit ins Monumentale übersetzten Zitaten solcher Kapazunder (Goya, Piranesi) und weltgeschichtlichen Tragödien lässt sich leicht bedeutungsvolle Schwere erzielen. In der Inszenierung verpufft zum Ausgleich einiges davon. (kafe / DER STANDARD,  Print-Ausgabe, 17.7.2008)


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