Luxuskunst in alten Gemäuern
Privatmuseum. Milliardär Francois Pinault zeigt nun an zwei Orten in Venedig seine Sammlung.
MARTIN BEHR VENEDIG (SN). Schlangestehen gehört zum Alltag der Kunstinteressierten in Venedig. Vor dem Biennale-Pavillon Großbritanniens bilden sich Menschenschlangen, auch vor jenen Skandinaviens, Frankreichs und den USA.
Wer das neue, kürzlich eröffnete Museum Punta della Dogana des französischen Milliardärs Francois Pinault besichtigen will, muss ebenfalls längere Wartezeiten beim Eingang in Kauf nehmen.
Mehr als 20 Millionen Euro sind in den Umbau des ehemaligen Zollgebäudes am Canale Grande mit der charakteristischen Dreiecksform geflossen: Ein ebenso geschichtsträchtiges Haus für prominente zeitgenössische Kunst wie luxuriöser Rahmen für (teure) Werke aus der ersten Liga, in der unter anderem Maurizio Cattelan, Jeff Koons oder Cindy Sherman spielen. Nach dem Palazzo Grassi hat Pinault nun bereits eine zweite Adresse in der Lagunenstadt.Eleganz und Perfektion Um das ehrwürdige Gebäude für Kunst zu adaptieren, engagierte der französische Großsammler Pinault den japanischen Architekturautodidakten Tadao Ando.
Monumentalität, Eleganz und Perfektion: Ando hat penibel gearbeitete Sichtbetonwände sowie einen für dieses Ambiente stimmigen Steinboden eingezogen und das ehrwürdige Gemäuer ebenso wie das Holzgebälk unaufdringlich renovieren lassen.
Freilich: Nicht alle der von Francois Pinault angekauften Werke kommen hier optimal zur Geltung, für manche Objekte und Gemälde ist das Wechselspiel aus edlem Raum und reizvoller Transparenz – Glas ermöglicht Blicke auf das Meer und die Lagunenstadt – eine übermächtige Konkurrenz.
In der ersten Ausstellung „Mapping the studio“ ist das in die Wand köpfelnde Pferd des Hochglanzillusionisten Cattelan ein optischer Anziehungspunkt. Seine in Decken gehüllten Leichenskulpturen wirken hier, wo auch ein Topbusinessbetrieb seinen Stammsitz haben könnte, seltsam deplatziert.
Die Ausstellung erzählt viel vom Tod, von Vergänglichkeit, von Leidenschaft und Sexualität. Jake & Dinos Chapman berichten mit der Installation „Fucking Hell“ detailliert über Horrorgräuel in der Nazi-Apokalypse, von Jeff Koons ist ein ironisch-greller Kommentar zum Thema Pornochic ausgestellt: der Künstler im Verbund mit seiner Exfrau Ilona Staller, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Cicciolina („Schnuckelchen“).
Die von Alison M. Gingeras und Francesco Bonami kuratierte Ausstellung enthält eine wunderbare Selbstinszenierung von Cindy Sherman sowie das witzige „Ratte und Bär“-Mobile des Schweizer Künstlerduos Fischli & Weiss.
Kühle Sachlichkeit bringt Rudolf Stingel ein, gewohnt drastische Opulenz hingegen Paul McCarthy mit dem Objekt „Zug, Schwein, Insel“. Vieles, was aus Großausstellungen wie Biennale oder documenta bekannt ist, Riesenräume und ein prall gefülltes Bankkonto erfordert, ist in „Mapping the studio“ zu sehen.
Zu Künstlern wie Mike Kelley, Bruce Nauman, Raymond Pettibon, Martin Kippenberger, Rachel Whiteread oder Richard Prince gesellen sich aus Österreich auch Franz West, Otto Mühl und das Männerkollektiv gelitin.




















