Galerien live
Das Es hat Migräne
(cai) Diese Ausstellung lässt nur die Abgebrühtesten kalt. Wir andern
brauchen ein Taschentuch. Und nachher ein Aspirin. Das Schnäuztüchl
haben wir nötig, wenn wir von der Wiedersehensfreude überwältigt
werden. Weil man uns in der Galerie Steinek mit einem ergreifenden
österreichischen Klassiker konfrontiert. Ach, "Sissi" mit Romy
Schneider? Nein.
Dann vielleicht "Der Hofrat Geiger" mit Waltraut Haas als Mariandl?
Schon wärmer. Okay, es ist der 50-Schilling-Schein mit Sigmund Freud
als Sigmund Freud. Schilling-Romantikern geht dieser Anblick eben sehr
nahe. Tony Oursler lässt nun in seinem Video den Sigi auf der Banknote
herumplappern und -blödeln. Einmal sinniert dieser über den Eros ("fuck
... fuck .. . ffffffuck"), ein andermal übers Gegenteil
("Thanananatos"). Aber was bedeutet "I did not destroy the teapot,
mamma"? (Ich hab die Teekanne nicht kaputtgemacht, Mama.) Teekanne, das
steht bestimmt für was Freudianisches, also Schweinisches.
Im Hinterzimmer der Galerie (dort, wo mitfühlende Personen ein Aspirin benötigen) hab ich dann gar
nix mehr verstanden. Genauso gut hätte man mir ein Jandl-Gedicht
vorlesen können (auf Kisuaheli übersetzt). Doch letztlich hat das bei
dieser gekonnt theatralischen Inszenierung eh nicht gestört. Ourslers
Spezialität ist es ja, Puppen zum Leben zu erwecken, indem er ihnen
filmisch bewegte Gesichter aufprojiziert. Und hier hat er sich selber
wie Marilyn Manson geschminkt und die (auf Kisuaheli?) brabbelnde
Horrorvisage auf ein kopfgroßes Ei geworfen, in dem sechs Messer
stecken. Pfoa, davon kriegt man ja eine Orangenhaut! (Äh: eine
Gänsehaut.) Würd’ ich mich im Fasching als Migräne verkleiden, genau so
tät’ ich mich herrichten.
Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
Tony Oursler
Bis 22. Jänner
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr
Warmduscher-Rosa
(cai)Wer Blümchenstillleben malt, outet sich der eigentlich als
Warmgießer? Wurscht. So einer ist der Andi Ehlers sowieso nicht. Auch
kein Die-Leinwand-vor-dem-Malen-Bügler. Er macht zumindest sehr
männliche, resolute Striche. Seine reduzierte Pinselsprache hat ihren
speziellen Reiz. (Auch weil sich das Abstrakte plötzlich aus der Ferne
in eine Landschaft oder ein Was-auch-immer verwandeln kann.) Abhold ist
er dem Figurativen aber auch nicht. Sein Männerakt, den er für die
Comedy-Serie "Die Lottosieger" fabriziert hat (da hat er sich wohl
verstellt, denn diese Farbe da ist zweifellos Warmduscher-Rosa),
beschert uns einen jener raren Momente, in denen unprätentiös über
Kunst geredet wird. Herr Deschek: "I glaub, du bist irgendwo o’grennt.
Des Krixikraxi wüst im Wohnzimmer aufhängen? Heast, wenn die Mama den
Nockatn sicht, kriegts wirkli an Herzinfarkt." Frau Deschek: "Kanns wenigstens den Defibrillator glei testen." ("Krixikraxi", so sagt man im Gemeindebau statt "Opus".)
Galerie Gans
(Kirchberggasse 4)
Andi Ehlers
Bis 22. Jänner
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr
Sa.: 12 – 15 Uhr
Blondine mit Witz
(cai)Reporter zur blonden Schauspielerin: "Hatten Sie wirklich
nichts an?" Blondine: "Doch! Das Radio!" Dieser Blondinenwitz soll sich
1952 zugetragen haben. Die Blondine war Marilyn Monroe, die sich 1949
nackig auf rotem Samt geräkelt hatte. Tom Kelleys legendäres Foto, wo
MM einen roten Lippenstift und sonst nix trägt, hängt unübersehbar in
der Galerie Faber, die derzeit ein MM-Andachtsraum ist. Beginnend mit
den frühen, ansteckend fröhlichen Modeaufnahmen (als das Naserl noch
eine Nase war und einer gewissen Norma Jeane gehörte), ist alles da. Ob
Marilyn nun ihr makelloses Göttinnengesicht aufsetzt oder am Strand
lebendig wird, immer ist sie unwiderstehlich präsent. Der Schatten
hinterm Duschvorhang könnte aber genauso gut Janet Leigh sein, die auf
Norman Bates wartet.
Galerie Johannes Faber
(Dorotheergasse 12)
Marilyn Monroe
Bis 30. Jänner
Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr
Sa.: 10 – 16 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 20. Jänner 2010
Online seit: Dienstag, 19. Jänner 2010 16:48:00
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