Fledermäuse hören anders
Silke Maier-Gamauf bringt in der Galerie 60 Bilder zum Hören und Sehen.
ARIANE GRABHER
Feldkirch (VN)
"Nachtaktiv" nennt Silke Maier-Gamauf ihre Präsentation in der
Feldkircher Galerie Sechzig doppeldeutig. Doch "Nachtaktiv" ist keine
gewöhnliche Ausstellung. Einen prominenten, sinnstiftenden und die
Sinne verwirrenden Gegenpart zu den Bildern, die als Digitaldrucke auf
Leinwand bzw. Öl auf Kunstseide entstehen, bildet der Ton, der den
Betrachter in einen neuen Erfahrungsraum eintauchen lässt. Klangteppich
In ihrem
künstlerischen Schaffen mit Prozessen der Wahrnehmung und
Wahrnehmungsmustern befasst, stieß Silke Maier durch die Nachtaktivität
ihrer kleinen Tochter auf das Thema Fledermäuse. Fasziniert vom Prinzip
des Echoortungssystems, mit dem sich die Tiere orientieren, und dem
enormen Spektrum an Tönen, das von schrillen Jagdrufen bis zu
trommelartigem Geratter reicht, lösten diese für das menschliche Ohr
normalerweise nicht hörbaren Frequenzen Farbwahrnehmungen bei der
Künstlerin aus. Umgesetzt in kleinformatigen Gemälden auf grellfarbiger
Kunstseide hält sie die Tonspuren, die via Computer in abstrakte Muster
übertragen wurden und das Unsichtbare visualisieren, in der Werkgruppe
"Bats" fest. Mit der sonor fragenden Männerstimme ("Is somebody here?")
zwischen dem im Raum hörbar gemachten Klangteppich aus
Fledermausgeräuschen werden plötzlich Fragen der Wahrnehmung und der
Orientierung, des Verortet-Seins im realen, räumlichen Sinn, aber auch
im übertragenen, sozialen Sinn laut. In der
Gleichzeitigkeit von Sehen und Hören, in der Verzahnung von optischen
und akustischen Reizen, entwirft Silke Maier ein neues, ungewohntes
Leitsystem für den Betrachter. Flüchtige Unschärfe
Aus der
Überlagerung der "Hörbilder" mit fotografischen Schnappschüssen ist die
Serie "Nachtaktiv" (Digitaldrucke auf Leinwand) entstanden. Die auf die
Leinwand projizierten Aufnahmen erzeugen eine gewisse Unschärfe, die
durchaus beabsichtigt ist. Symbolisieren die Tiere im Flug etwas, das
nicht greifbar ist und eine Art von flüchtigem Moment, so fließt auch
der Faktor Zeit mit ein. Ergänzt werden die zweidimensionalen Arbeiten
an Wand und Decke durch eine "Fadenzeichnung", die ihren räumlichen
Charakter mit dem Standpunkt und der Bewegung des Betrachters verändert
und in reizvollem Wechselspiel mit dem den Galerieräumen vorgelagerten
Garten agiert. Trotz der Leichtigkeit und der Buntheit, die die
Arbeiten vermitteln, gelingt es der Künstlerin ein äußerst
vielschichtiges Gedankengerüst aufzuspannen und sie schafft Bilder, die
man auch mit geschlossenen Augen sehen bzw. hören kann. Die Ausstellung
dauert bis zum 22.Dezember, geöffnet Mittwoch und Freitag, 14-18 Uhr,
sowie nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 05522/73618. ZUR PERSON
Künstlerin Silke
Maier-Gamauf Geboren: 1969 in Bludesch Ausbildung: Akademie der
bildenden Künste Wien, St. Martins College London Laufbahn:
Ausstellungen u. a. in Wien, Graz, Bozen, London, Berlin
Auszeichnungen: Fördergabe des Landes Wohnort: Wien Begann wirklich alles mit der Nachtaktivität der kleinen Tochter der Künstlerin? (Fotos: A. Grabher)
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