Am Anfang war der Pater Noster...

Ein Stiegenhaus wird zum Lift, wo sich Figuren hinaufschleppen, um dann im "Freien Fall" abzustürzen.


"Mein Projekt versucht Widersprüche der Wahrnehmung - insbesondere zwischen Fläche und Raum - in einen bewegten Zustand aufzulösen. Die Galerie dient dabei als Vorgabe, wo akustische Intervalle und Körperproportionen bei diesen Annäherungsversuchen vermitteln helfen sollen."

Dies ist der Ausgangspunkt der Video-Installations-Projekte des in Wien und Barcelona lebenden Künstlers Erik Rockenschaub, der mit seinem bekannten Kollegen Gerwald - soviel er weiß - nicht verwandt ist.

Freier Fall

Bei seiner aktuellen Installation zeigen zwei Videos gegenläufige Bewegungen: Auf dem linken Bildschirm sind aufwärts kletternde Figuren zu sehen, deren synchronisierter Bewegungsverlauf in der Gruppe zur Vernetzung führt. Am rechten Bildschirm sieht die BesucherIn das Fallen einer (ebenfalls vernetzten) bewegungslosen Figurengruppe. Die aufsteigenden Figuren bewegen sich schneller als die fallenden. Eine Steigerung des Bewegungseffekts bewirken die BetrachterInnen durch Auf- und Abgehen zwangsläufig selbst.

©Bild: Erik Rockenschaub
©Bild: Erik Rockenschaub

Shepard Tone

Akustisch verstärkt diesen Effekt der sogenannte Shepard Tone, der als stetig "fallend" wahrgenommen wird. Er soll die Distanz zum Bildträger verringern helfen soll. Die versetzten Fensterreihen des Austellungsortes wiederum lassen die Projektion wie einen Pater Noster-Lift wirken - für Rockenschaub eine der Inspirationsquellen zu diesem Projekt.

hinAuf - hinUnter - hinNig

Integraler Bestandteil auch der beiden anderen Arbeiten "Anschauung" und "Vice Versa" ist die Auflösung, die der Künstler mit dem Präfix "hin" zu erklären versucht. "Immer geht es um Bewegung. Hinauf, hinunter, hinüber bis zu "hinig" im Sinn von kaputt. Wenn die Figuren der Projektion den realen Raum betreten, also wenn Licht dazukommt, ensteht der Eindruck der Auflösung der ganzen 'G'schicht'."

Anschauung und Ideal

Rockenschaub geht es dabei um die Auflösung des "idealen, Leanordo da Vinci - Körpers". Die bei "Anschauung" auf die Wand projizierte Figur, die sich scheinbar mittels Klimmzug am Fensterbrett hoch zieht, löst sich bei Lichteinfall und Einsetzen eines Atemgeräusches auf. Die Begrenzung des Raumes zwinge den Körper förmlich in die Knie.

"Raumdimension und -proportion entscheiden somit über Körpergröße und Rhythmus der Bewegung. Das Ideale fällt weg." Weitere Informationen auch zur Installation "Space Degrees" von Sabine Heine, einer weiteren Gironcoli-Schülerin, die neben Rockenschaub ausstellt, finden sich unter steirischer herbst.

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