25.08.2003 14:31
"Künstlerhaus könnte Museumsquartier ebenbürtig
sein"
Präsident Nehrer hofft trotz Geldmangel auf
Ausbau der U-Bahn-Hohlräume - Historisches Museum will ständige Präsentation im
Künstlerhaus - Foto
Wien - Das Wiener Künstlerhaus wird seinen Ausstellungsbetrieb
nach der am Freitag, 29. August beginnenden Schau "Abstraction Now" ab dem 29.
9. einstellen. "Ein Haus dieser Größenordnung kann man nicht ohne Subventionen
führen", sagte Künstlerhaus-Präsident Manfred Nehrer am Montag.
Ausbau
der U-Bahn-Hohlräume würde Künstlerhaus Museumsquartier ebenbürtig
machen
Dennoch gibt Nehrer die Hoffnung nicht auf, dass die Stadt
Wien auch den geplanten Ausbau der U-Bahn-Hohlräume nach dem Entwurf der
Architekten Jabornegg und Palffy, der zusätzliche Ausstellungsflächen brächte,
unterstützen wird. "Dieses Projekt würde uns als solide Finanzierungsgrundlage
dienen, und das Künstlerhaus könnte dem Museumsquartier als Ausstellungskomplex
mindestens ebenbürtig werden - mit einem Fünftel der
Kosten".
Aufkündigung des Mietvertrags mit dem Bund 2001
Vor
zwei Jahren hatte das Bildungsministerium den seit 1996 bestehenden Mietvertrag
aufgekündigt, demnach die Räume sechs Monate jährlich für Bundesinstitutionen
angemietet wurden. Dazu hieß es aus dem Büro von Bildungsministerium Elisabeth
Gehrer (V): "Wir haben das Künstlerhaus lang vorher über die Kündigung
verständigt, nachdem es nun genug Ausstellungsflächen gibt und sehen keinen
Handlungsbedarf. Es ist ja auch kein Bundesmuseum". Dazu meinte Nehrer: "Wir
werfen dem Ministerium ja auch nichts vor, aber es war nicht möglich, genügend
Vermietungen zu bekommen. Wir bräuchten eine langfristige Zusage einer
Finanzierung, die uns die Renovierung und den Umbau im Sinne unserer Initiative
'Kunstplatz Karlsplatz' ermöglicht".
Werbung fürs Künstlerhaus: Viel
Ausstellungsfläche für wenig Geld
Den Bedarf an zusätzlichen
Ausstellungsflächen sieht Nehrer nach wie vor gegeben, obwohl er vorüber gehend
nicht einmal die existierenden bespielen kann. "Es klingt wie ein Gegensatz, ist
aber eine einmalige Chance, so viel für so wenig Geld zu bekommen, nämlich für
8,8 Millionen Euro Ausstellungsflächen, derer es nicht genügend gibt im
Gegensatz zu Museumsflächen". Ähnlich sieht das der Direktor des Historischen
Museums der Stadt Wien, Wolfgang Kos. Er leidet am akuten Raumbedarf seines
Hauses und würde gern Flächen des Künstlerhauses bespielen.
Kos: "Eine
Miete aus dem laufenden Budget können wir uns nicht
leisten"
"Selbstverständlich kostenneutral", sagte er . "Eine Miete
aus dem laufenden Budget können wir uns nicht leisten, schon gar nicht zu den
derzeitigen Preisen von 2.907 Euro täglich für beide Etagen". Basis der
Verhandlungen war auch für Kos der unterirdische Ausbau, "die Vision eines
besonderen Projektes". Ob er auch mit den bestehenden Räumen das Auslangen
fände? "Voraussetzung ist auf jeden Fall eine komplette Sanierung des Hauses.
Technik und Sicherheitsvorkehrungen sind völlig veraltet". Für sein Museum
wünscht Kos sich zweierlei: "Erstens, große Ausstellungen zu machen auf
mindestens 800 Quadratmetern, und zweitens gibt es Überlegungen, im Obergeschoss
des Künstlerhauses eine ständige Präsentation aus unserem Bestand zum Thema
"Wiener Ringstraße" zu machen".
Nehrer und Kos glauben an positive
Entscheidungen der Stadt
Sowohl Nehrer als auch Kos zeigten sich
optimistisch, was die anstehende Entscheidung der Stadt Wien betrifft. Nehrer:
"Aber positive Äußerungen der Politiker sind natürlich noch kein Grund, unseren
Verein in Schulden zu stürzen. Daher ziehen wir uns jetzt einmal auf unsere
Vereinstätigkeit zurück und müssen leider eine beträchtliche Anzahl von
Mitarbeitern entlassen. Dieser Schritt wäre aber jederzeit reversibel". (APA)