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11.09.2003 - Ausstellung
Ausstellung: Glühende Farbe in Venedig
Bilder von Venedig und Stillleben stehen im Mittelpunkt von Eduard Angelis neuester Werkphase.
VON JOHANNA HOFLEITNER


Eduard Angeli ist ein Kultur-Maler. Das belegt diese ausführliche Perso nale, für die die Österreichische Ga lerie im Oberen Belvedere sieben Räume freigemacht hat. Seit vier Jahrzehnten schlägt der neben der Malerei auch zum Historiker Ausgebildete seine Zelte an geschichtsträchtigen Orten des Mittelmeerraums auf. Istanbul war erste Station, Ischia folgte, das frühe Italien übt auf den künstlerischen Einzelgänger, dessen Werk sich jeder Kategorisierung entzieht, bis heute große Faszination aus. Diesmal bildet Venedig zusammen mit großformatigen Stillleben den Schwerpunkt einer Präsentation des Schaffens der letzten fünf Jahre.

Seit drei Sommern hat Angeli am Lido ein Haus angemietet. Schnell hatte sich der weite Blick über die Lagune auf die flache Silhouette der Serenissima als bestimmende künstlerische, vor allem malerische Herausforderung herauskristallisiert. Ihn interessieren nicht die detailgetreue Vedute à la Canaletto oder der Romantiker-Blick auf die Plätze, Kirchen und Paläste, sondern die verschiedenen atmosphärischen Stimmungen der Insel, deren Erkennbarkeit und Sujethaftigkeit, und "dass sich bei Venedig jeder zurechtfindet", wie er sagt. Turner oder Monet und deren Lichtstudien von London, Heuhaufen und Kathedralen fallen einem ein. Dagegen strahlen Angelis Bilder aber eine spezielle Askese aus, was der häufige Einsatz von nackter brauner Jute als Malgrund noch unterstreicht. Er verwendet arme Materialen wie Kohle, Rötel, Kreide, nur gelegentlich Öl, das er bisweilen eher als lasierendes Fett denn als Farbe einsetzt.

Ein großes Anliegen ist ihm, "nicht Kunst, sondern Malerei zu machen. Das heißt: ein Ordnen und Komponieren nach bestimmten Regeln, die die Malerei seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden inne hat oder die sich nach und nach herausgestellt haben. Ich bin nicht bereit, diese Regeln aufzugeben, sondern will über sie vielmehr zu einer passenden Form gelangen."

Wenngleich die Sujets wechseln - bald geht es um den Blick auf Venedig, bald um die vorgelagerten Inseln -, behandelt die Ausstellung vor allem ein Grundthema: das Licht mit seinen Variationsmöglichkeiten. Der Meeresblick mit der abgrenzenden Skyline der Stadt gibt die reduktive Zuspitzung auf die Horizontale nachgerade vor. In den besten der Bilder entzündet sich die Farbe einzig an dieser Waagrechten, beginnt zu glühen, strahlt aus in die Farbfelder über und unter ihr. Fast schon plakativ wirkt da die Gegenüberstellung der beiden größten Bilder der Schau, gleich zum Auftakt der Venedig-Reihe: zwei über fünf Meter lange Tafeln, die einmal "Venedig Tag", einmal "Venedig Nacht" zeigen. Umso mehr beeindrucken die in Weiß und Grau getauchten Quadrate der "San-Servole"-Bilder mit ihren feinen Farbverläufen.

Ein plastisches Gegengewicht zu den ätherischen Lichtstimmungen bilden Angelis großformatige Stillleben. Gleich zum Entree erinnern frühere Spiegel-, Mauer- und Wanddarstellungen in ihrer verhaltenen Gegenstandsbezogenheit, Farbigkeit und Malweise an Karl Korab, einen der wenigen, auch stilistisch verwandten Weggefährten.

In einem neuen, düsteren Block konzentriert sich Angeli auf eine vergleichende Recherche der Formensprachen Afrikas, Asiens und Ozeaniens: Recht technisch gefriert hier das Still-Leben zum Stil-Leben, bleibt an Kraft hinter den zeitgleich entstandenen venezianischen Gemälden zurück.

Bis 23. 11., Di bis So: 10 bis 17 Uhr



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