 |
Eduard Angeli ist ein Kultur-Maler. Das belegt diese ausführliche Perso
nale, für die die Österreichische Ga lerie im Oberen Belvedere sieben
Räume freigemacht hat. Seit vier Jahrzehnten schlägt der neben der Malerei
auch zum Historiker Ausgebildete seine Zelte an geschichtsträchtigen Orten
des Mittelmeerraums auf. Istanbul war erste Station, Ischia folgte, das
frühe Italien übt auf den künstlerischen Einzelgänger, dessen Werk sich
jeder Kategorisierung entzieht, bis heute große Faszination aus. Diesmal
bildet Venedig zusammen mit großformatigen Stillleben den Schwerpunkt
einer Präsentation des Schaffens der letzten fünf Jahre.
Seit drei
Sommern hat Angeli am Lido ein Haus angemietet. Schnell hatte sich der
weite Blick über die Lagune auf die flache Silhouette der Serenissima als
bestimmende künstlerische, vor allem malerische Herausforderung
herauskristallisiert. Ihn interessieren nicht die detailgetreue Vedute à
la Canaletto oder der Romantiker-Blick auf die Plätze, Kirchen und
Paläste, sondern die verschiedenen atmosphärischen Stimmungen der Insel,
deren Erkennbarkeit und Sujethaftigkeit, und "dass sich bei Venedig jeder
zurechtfindet", wie er sagt. Turner oder Monet und deren Lichtstudien von
London, Heuhaufen und Kathedralen fallen einem ein. Dagegen strahlen
Angelis Bilder aber eine spezielle Askese aus, was der häufige Einsatz von
nackter brauner Jute als Malgrund noch unterstreicht. Er verwendet arme
Materialen wie Kohle, Rötel, Kreide, nur gelegentlich Öl, das er bisweilen
eher als lasierendes Fett denn als Farbe einsetzt.
Ein großes
Anliegen ist ihm, "nicht Kunst, sondern Malerei zu machen. Das heißt: ein
Ordnen und Komponieren nach bestimmten Regeln, die die Malerei seit
Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden inne hat oder die sich nach und nach
herausgestellt haben. Ich bin nicht bereit, diese Regeln aufzugeben,
sondern will über sie vielmehr zu einer passenden Form gelangen."
Wenngleich die Sujets wechseln - bald geht es um den Blick auf
Venedig, bald um die vorgelagerten Inseln -, behandelt die Ausstellung vor
allem ein Grundthema: das Licht mit seinen Variationsmöglichkeiten. Der
Meeresblick mit der abgrenzenden Skyline der Stadt gibt die reduktive
Zuspitzung auf die Horizontale nachgerade vor. In den besten der Bilder
entzündet sich die Farbe einzig an dieser Waagrechten, beginnt zu glühen,
strahlt aus in die Farbfelder über und unter ihr. Fast schon plakativ
wirkt da die Gegenüberstellung der beiden größten Bilder der Schau, gleich
zum Auftakt der Venedig-Reihe: zwei über fünf Meter lange Tafeln, die
einmal "Venedig Tag", einmal "Venedig Nacht" zeigen. Umso mehr
beeindrucken die in Weiß und Grau getauchten Quadrate der
"San-Servole"-Bilder mit ihren feinen Farbverläufen.
Ein
plastisches Gegengewicht zu den ätherischen Lichtstimmungen bilden Angelis
großformatige Stillleben. Gleich zum Entree erinnern frühere Spiegel-,
Mauer- und Wanddarstellungen in ihrer verhaltenen Gegenstandsbezogenheit,
Farbigkeit und Malweise an Karl Korab, einen der wenigen, auch stilistisch
verwandten Weggefährten.
In einem neuen, düsteren Block konzentriert sich Angeli
auf eine vergleichende Recherche der Formensprachen Afrikas, Asiens und
Ozeaniens: Recht technisch gefriert hier das Still-Leben zum Stil-Leben,
bleibt an Kraft hinter den zeitgleich entstandenen venezianischen Gemälden
zurück.
Bis 23. 11., Di bis So: 10 bis 17 Uhr
© Die Presse
| Wien
|
 |