"Die Einstellung des Menschen zur Welt
und ihren körperlichen Eigenschaften schwankt zwischen zwei- und
dreidimensionalen Sehweisen. Sie ergibt sich aus dem 'Sehen' und dem
'Gehen'. Es scheint, als ob sich beide Arten der Welterfahrung einander
ausschließen würden."
Diese Sätze schrieb die slowenische Künstlerin Marjetica Potrc
anlässlich ihrer Ausstellung "Die Erfahrung des Körpers" in der Modernen
Galerie in Laibach 1988. 1992 war Potrc mit ihren Ziegelskulpturen im
Museum moderner Kunst im Palais Liechtenstein zu sehen.
Zahlreiche Reisen
"Gehen" und "Sehen" scheinen, wenn man das Reisen mit einbezieht, zwei
Parameter in Potrc Kunst zu sein. Ob es nun Kagiso, ein Vorort von
Johannesburg, die Westbank und Gaza oder Houston ist - überall spürt Potrc
den Wohn- und Lebenssituationen von Menschen nach.
Schauseiten
In ihre frühen Skulpturen zeigte Potrc eine eigene Wunderwelt aus
Ziegeln, Filz oder Stoffen. Dabei handelte es sich um leicht gekrümmte
Ziegelwände, deren Ziegel so aufgeschichtet waren, dass man durch
Öffnungen durchblicken konnte.
Dennoch erfuhr der Betrachter beim Galeriebesuch eine gewisse
Frustration. Denn die Wände waren so hoch, dass man nicht darüber sehen,
und den hinter der Wand liegenden Raum nicht begehen konnte. Vielmehr
handelte es sich bei den beiden Wänden um einzelne Schauseiten, die mit
Filz und Stoffen drapiert waren. Auf Stoffen waren Filmpositive
gedruckt.
Gesamteindruck
Potrc Kunst bewegte sich in diesen Arbeiten der 90er Jahre schon an den
Grenzen von Architektur, Skulptur und Bild. Alle drei Kunstgattungen
flossen in den Ziegelarbeiten zu einer untrennbaren Einheit zusammen.
Begreifbar wurden Potrc' Ziegelsysteme erst, wenn man die Rückwand
einer Ziegelwand in Augenschein nahm. Erst durch das aufspüren des
Gegensatzes begann der Eindruck einer Gesamtheit zu wirken.
Individuelle Lösungen
Ähnlich wie bei den beiden Schauwänden der Ziegelarbeiten geht Potrc
bei ihren Interventionen im öffentlichen Raum vor. Sie untersucht zwei
Seiten der gesellschaftlichen Medaille.
Neben den Slums besucht sie die reichen Wohnviertel in den
verschiedensten Städten der Welt und legt deren soziale und
architektonischen Patterns offen. Marjetica Potrc ist eine Globetrotterin
und entwickelt vor Ort mal utopische, mal realistische Systeme, die es den
Menschen ermöglichen, besser zu leben.
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