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07.04.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Geschlechterfragen: Mann- und Frausein
Johanna Hofleitner
Geschlechterfragen umkreist das Ausstellungsgeschehen des Frühjahrs. Feminismus, Aktivismus und gesellschaftliches Aufbegehren spielen eine Rolle.

Sammlung Essl.

Sie ist über 80 Jahre alt und schafft es punkto künstlerischer Originalität und Aktualität noch allemal, mit den jüngeren Generationen mitzuhalten: Maria Lassnig – die wichtigste österreichische Malerin der Gegen­wart hat auch in der Sammlung von Agnes und Karlheinz Essl einen zentralen Stellenwert. Jetzt widmet ihr das Haus in Klosterneuburg eine große Personale mit Arbeiten der letzten drei Jahrzehnte. Eine Überraschung sind bisher kaum gezeigte Skulpturen, an denen Lassnig in den 70er- Jahren zu arbeiten begann.

Personale „Maria Lassnig“,
20. 4. bis 28. 8.;
www.sammlung-essl.at


Kunsthalle Wien.

Exil und Emigration, Fundamentalismus, Kapitalismus, Tradition und Fortschritt, Regionalität versus Internationalität – Parameter wie diese sind im Nahen Osten existenzbestimmend. Wie gehen Künstlerinnen aus der Türkei, dem Iran, Ägypten, Syrien, Algerien und Paläs­tina mit dem Clash der Kulturen um? Welche Strategien entwickeln sie, um sich auf dem Kunstmarkt zu behaupten? In Videos erzählen acht Künstlerinnen Geschichten rund um Themen weiblicher Identität. Mit Shirin Neshat, Mona Hatoum u. a.

„Some Stories“
bis 24. 4.
www.kunsthallewien.at


Kunsthaus Wien.

Es gibt im Kunstbetrieb nur wenig, was nicht sein Fett vom Münchner Parodisten Mathias Waske abkriegt. Die Kunstsammler und ihr Jagdwahn sind vor ihm ebenso wenig sicher wie die Verkitschungen der Kunstindustrie. Als da wären: das viel reproduzierte Lächeln der Mona Lisa, die Invasion von Dürers „Feldhasen“ auf Druck­sorten von der Osterkarte bis zur Tischserviette oder seine „Betenden Hände“ auf Trauer- und Beileidskarten

„Mathias Waske. Mona Lisa bis Madonna,
4. 5.–18. 9.
www.kunsthauswien.com


Leopold Museum.

Klimt, Schiele, Kokoschka, Loos, Gerstl, Faistauer: Zu Lebzeiten sorgten ihre Darstellungen des Nackten, Obszönen, (Homo-)Erotischen für helle Empörung. Heute scheint die Aufregung rund ums Looshaus, Schieles Haft oder der Skandal um Klimts Fakultätsbilder im Anekdotenreservoir der Kunstgeschichte untergegangen. Welche Sprengkraft die österreichische Moderne tatsächlich hatte, versuchte die Schau zu vergegenwärtigen – jenseits von Bagatellisierung und Banalisierung.

„Die nackte Wahrheit. Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale“
13. 5.–22. 8.
www.leopoldmuseum.org


Generali Foundation.

Mit seinem Zentralthema „Zerstörung“ wurde Gustav Metzger zur wichtigen Referenzfigur. Das politische, ökologische und ökonomische Bedrohungspoten­zial des 20. Jahrhunderts liefert ihm Ansatzpunkte genug. Jetzt wird das Gesamtwerk des 79-jährigen Nürnberger Aktivisten in einem detaillierten Überblick präsentiert.

„Gustav Metzger. Geschichte Geschichte“
10. 5.–28. 8.
www.foundation.generali.at


Salzburger Kunstverein.

Eine heiße Kandidatin für die bevorstehende documenta 12 ist Ines Doujak. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich immer wieder mit dem Aufbrechen klischierter weiblicher Rollenbilder. Im Zentrum ihres jüngsten Projekts „Dirty Old Women“ stehen alte Frauen, untersucht wird deren Bedeutung und Repräsentation in der Gesellschaft.

„Ines Doujak: Dirty Old Women“
 bis 26. 6.
www.salzburger-kunstverein.at


MAK-Galerie.

Zwar gibt es in Wien kaum einen frequentierteren Ort als die Ringstraße. Dennoch strahlt der Ziehbrunnen, den Michael Kienzer für den öffentlichen Raum vor dem MAK konzipiert hat, eine Menge Verlorenheit aus. Doch nimmt’s Wunder? Der Bildhauer hat ihn lapidar in die Höhe gehievt, wo sich die Skulptur mehr unter Ampeln, Leitungen und Laternen mischt als dass sie dem Fuß-, Rad- und Autofahrervolk ins Auge fällt. In der zugehörigen Ausstellung im MAK füllt er die Lobby mit einem schwebenden Riesenluftballon und die Galerie mit einer monumentalen dreidimensionalen Drahtzeichnung.

„Neue Immobilien“
bis 12. 6.
www.mak.at


Galerie Fotohof Salzburg.

Fast fünf Jahrzehnte umspannt das fotografische Lebenswerk Inge Moraths, die über Paris und die legendäre Fotoagentur Magnum nach Amerika ausgewandert war. Entsprechend ihrem essayistischen Zugang zur Fotografie arbeitete sie gerne in Themen und Blöcken. Ein spätes Projekt von ihr wird nun posthum realisiert: ein breiter Querschnitt durch fast fünfzig Schaffensjahre. Der Schwerpunkt liegt auf Bildern aus Wien, Straßen­szenen, surrealen Alltagsgeschichten.

„Inge Morath: Durch Österreich“
22. 4.–4. 6.
www.fotohof.at


Camera Austria Graz.

Allan Sekula ist ein epischer Dokumentarist, der in nüchternen Fotografien Romane erzählt, die vom wirklichen Leben handeln. Immer steht im Mittelpunkt das Meer, dessen Romantik er als Wirtschaftsfaktor entlarvt. Nun stellt er die „Titanic“ auf den Prüfstand. Sein besonderes Augenmerk gilt der Bevölkerung jenes Fischerdorfs, vor dessen Küste aufwendige Dreh­arbeiten stattfanden, die das ökologische und ökonomische Gleichgewicht der Region massiv erschütterten.

„Allan Sekula: Titanic’s Wake“
bis 22. 5.
www.camera-austria.at


Neue Galerie Graz.

In der umfangreichen Enzyklopädie steirischer Künstler „Styrian Window“ ist Emmy Hiesleitner-Singer (1885–1980) noch gar nicht erfasst. Denn Sichtbarkeit erlangte sie vor allem als Grafikerin, die im Auftrag des Volkskundemuseums Ansichten von Gehöften und Ortschaften erstellte. Nun entdeckt die Neue Galerie sie als eine Künstlerin, die in ihrer Kunst unter dem Einfluss von Jugendstil und Realismus Zeichnung und Malerei eigenwillig verknüpft.

„Emmy Hiesleitner-Singer (1885–1980): Landschaften“
bis 8. 5.
www.neuegalerie.at


Burgenländische Landesgalerie.

Zwei Frauen in roten Kleidern pressen sich eng nebeneinander an eine Glasscheibe (siehe Cover). Sichtbar ist nur ihre hintere Hüftpartie, der Abdruck des Glases auf den Körpern, die Taillen. Eine an sich unspektakuläre Arbeit, ihre buchstäblichen Reize liegen im Detail. Es sind der gesellschaftliche Blick und die Projektionen auf die Frau, die Maria Hahnenkamp in ihren Fotografien und Objekten analysiert. Längst überfällig ist dieser umfassende Werkeinblick.

„Maria Hahnenkamp“
ab 3. 5. bis Ende Juni

MUMOK.

Wie funktioniert Kommunikation? Wie funktioniert Nachrichtenübermittlung? Welche Rolle spielt Sprache in Zusammenhang mit aktuellen zeitgeschichtlichen Ereignissen, zumal wenn sie unübersehbarer Ausdruck der Fremdheit ist? Fragen wie diese stellt der in New York lebende Vorarlberger Rainer Ganahl ins Zentrum seiner aktuellen Ausstellung. Ein wichtiger Ausgangspunkt ist der Terroranschlag auf das World-Trade-Center vom 11. September 2001. Das Erlernen der arabischen Sprache, Reisen durch den mittleren Osten und eine riskante Fahrradfahrt durch Damaskus spielen dabei eine Rolle.

„Rainer Ganahl – Road to War"
8. 4.–5. 6.
www.mumok.at


Galerie im Taxispalais Innsbruck.

Mit ihrer Programmatik, die Kunstgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Kunst von Frauen aufzuarbeiten, hat sich die Innsbrucker Galerie im Taxispalais in den letzten Jahren eine starke Position erobert. Nun wird mit Charlotte Posenske (1930–1985) eine Künstlerin vorgestellt, die bisher fast nur Fachleuten bekannt war. Ihre wichtigsten Werke schuf sie in den 60er-Jahren im Umfeld des deutschen Minimalismus, den sie aber um das Moment von Bewegung und Variabilität erweiterte. Architektur ist ein wichtiges Bezugssystem ihrer Arbeiten aus Aluminium- und Stahlblech oder Pappe.

„Charlotte Posenske“
bis 15. 5.
www.galerieimtaxispalais.at


Museum der Moderne Salzburg.

Er ist weder jung noch schlecht. Dennoch zählt George Condo zu den wenig bekannten Gegenwartskünstlern. Mit dieser Retrospektive soll sich das ändern. Sie führt den Amerikaner als so originellen wie vielseitigen Maler vor, der mit den Stilen und Referenzen spielt, als wären’s Schachfiguren. Für seine bald grotesken, bald altmeisterlich-surrealistischen Bilder greift er Anregungen von unterschiedlichen Künstlern wie Goya, Velazquez, Manet, Picasso auf

„George Condo. One hundred women“
bis 29. 5.
www.museumdermoderne.at


Secession.

So wild die Szene in den 80ern gewesen sein mag – hinsichtlich des Anteils und der Akzeptanz von Künstlerinnen war sie recht zurückhaltend. Zumal die Malerei-Szene war weitgehend männerdominiert. Eine der wenigen, die sich durchsetzen konnten, ist Eva Schlegel. In ihren Arbeiten lotet sie konsequent die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie einerseits, Kunst und Gesellschaft andererseits aus

„Eva Schlegel“
4. 5.–20. 6.
www.secession.at


Lentos Linz.

„Lebenswelten“ greift sechs Positionen heimischer Fotografie heraus, die die dokumentarischen Möglichkeiten des Mediums ausschöpfen. Heinz Grosskopf (Bild) etwa begleitet seinen 90-jährigen Nachbarn jahrelang durch den Alltag. Czihak/Ebenhofer begeben sich mit Fotos, die in verlassenen Plattenbau-Wohnungen gemacht wurden, auf die Spuren früherer Bewohner. Fotografische Volkskulturstudien betreibt Heinz Cibulka im Zyklus „Stammersdorf“, ähnlich Leo Kandl mit der Serie „Weinhaus“.

„Lebenswelten“
bis 16. 5.
www.lentos.at


Kunsthaus Bregenz.

Mit dem Abguss eines ganzen Hauses, der ihr 1993 den Turner-Prize einbrachte, katapultierte sich Rachel Whiteread an die Spitze der Kunstwelt. Den Abguss hat die Britin zum plastischen Prinzip ihrer Arbeit gemacht – mit seiner Aura des Verlustes erzählt er von Emotionen, Spuren, Erinnerungen. In ihrer ersten Österreich-Personale beschäftigt sie sich nun wieder mit dem Haus, diesmal mit seinen Grundelementen

„Rachel Whiteread. Walls Doors, Floors and Stairs“
 9. 4.–29. 5.
www.kunsthaus-bregenz.at




 

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