| Salzburger Nachrichten am 17. März 2006 - Bereich: Kultur
Hotels am Wörthersee
Kunstraum Lakeside Das Bundesland Kärnten ist bekanntlich nicht unbedingt mit einer Fülle
an Orten für qualitätsvolle zeitgenössische Kunst gesegnet, umso
beachtlicher ist da eine Initiative, die sich "kunstraum lakeside" nennt.
Unweit der Wörthersee-Südufer-Straße in Klagenfurt gelegen und in den
gleichnamigen "Science&Technology"-Park integriert, hat sich der im
vergangenen Herbst eröffnete "kunstraum lakeside" zum Ziel gesetzt,
international relevante Ausstellungen und Diskursveranstaltungen
durchzuführen. Das heurige Programm steht unter dem Motto "Grenzen der
Arbeit", den Auftakt macht eine Schau der in Zürich geborenen, in Wien
lebenden Künstlerin Sascha Reichstein. Wien und Colombo "Be my Guest" lautet der Titel der Ausstellung, die sich den Strategien
eines "Global Players" in der Touristikbranche, der Hilton-Hotelkette,
widmet. Die 35-jährige Künstlerin lenkt Dias, Fotografien und Interviews
aus Hilton-Hotels in Wien und Colombo den Blick auf die geografischen,
kulturellen und sozialen Spezifika jenseits normierter und
wiedererkennbarer Architektur. Ausblicke durch Fenster, Bilder an der Wand
oder Objekte in den Hotels sind als gezielte Inszenierungen kultureller
"Andersheit" lesbar. Wer genau hinsieht, bemerkt aber, welche
(Innen-)Räume sich in Sri Lanka, welche in Österreich befinden. Grenzen der Arbeit Hotels am Wörthersee: In einer Fotoinstallation präsentiert Reichstein
Hilton-Ansichten aus aller Welt, die darin sichtbar werdende
internationale Modernität wird durch die Gespräche mit Bediensteten
gebrochen, erhält eine neue Dimension. Nicht nur wegen der Ungleichheit
der Lohnarbeit. Der von Christian Kravagna und Hedwig Saxenhuber
kuratierte "kunstraum lakeside" veranstaltet im April eine Personale des
41-jährigen Klagenfurter Künstlers Ernst Logar, die Schau "Non Public
Spaces" wird sich mit nicht-öffentlichen Räumen beschäftigen: Von
Aufnahmen gerichtsmedizinischer Leichenhallen und Staatsarchiven bis zu
zentralen Computerräumen, Kulturspeichern oder Tresorräumen zur Lagerung
staatlichen Vermögens. Raumkonzept von Dabernig Der 41-jährige Brigitte-Kowanz-Schüler Logar ist für seine
Bildrecherchen unter anderem nach Paris, New York, Wien oder London
gereist. "Durch komplizierte Strategiefindungen und aufwändige,
bürokratische Genehmigungsverfahren gelangt Logar an diese Orte, hält sie
im Bild fest und dokumentiert sie", erklärt Kravagna. Das
"lakeside"-Raumkonzept wurde übrigens von Josef Dabernig entworfen, der
mehrmals an der Biennale von Venedig teilnahm. Er sieht im "kunstraum
lakeside" eine "offene Kommunikationszone". Die weiteren Programmpunkte:
Ab Mai eine Ausstellung des Chilenen Mario Navarro, er wird den Raum mit
Dutzenden von der Klagenfurter Bevölkerung zur Verfügung gestellten
Stühlen bespielen. Im Juni gibt es einen Schwerpunkt zum Thema "Ökonomien
der Grenze". MARTIN BEHR |