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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
14. Mai 2006
19:22 MESZ
Von Anne Katrin Feßler

Kopf des Tages

Inspirierter Manager der schönen Künste: Max Hollein
 

Foto: APA/Neumayr
In Salzburg fließen die Touristenströme unbeirrt an Paola Pivis am Rücken liegenden Helikopter vorbei.

Genius Loci mit Irokesen
Kontracom-Festival in Salzburg fast zwischenfallsfrei gestartet - Mit Kopf des Tages

Salzburg - "Jö schau, ein Hubschrauber!" Kurz wird der Kopf gedreht, manch einer bleibt stehen, einige machen ein Foto, aber das war es dann auch schon. Viel länger hält fast keiner inne, um am Residenzplatz den kunstvoll auf seinen Rotorblättern drapierten Helikopter, Modell Wessex 558, zu bestaunen.

Der hilflos am Rücken liegende Senkrechtstarter ist eine von zehn Interventionen im öffentlichen Raum des Festivals Kontracom. Kuratoren des erstmals und womöglich bald biennal stattfindenden Festivals für zeitgenössische Kunst und Musik sind Max Hollein, Direktor der Frankfurter Schirn Kunsthalle und des Städel-Museums sowie Donaufestival-Intendant Thomas Zierhofer-Kin.

Vor Ort kaum spürbar, hat die Hubschrauber-Installation der Italienerin Paola Pivi allerdings bereits seit Monaten für Aufregung im Mozartstädtchen gesorgt. Zunächst sollte das Fluggerät auf dem Mozartplatz zu Füßen des Genius Loci "landen": Nach massiven Protesten ("Kulturschande") blieben die Genehmigungen aus, der Helikopter wich auf den Residenzplatz aus. Dort, vor der Domflanke, den Brunnen an seiner Seite, hat er viel zu viel Raum um sich, um auch nur annähernd optische Störungen zu verursachen.

Das wird sich zum Ärger von FPÖ und Kronen Zeitung bald ändern: Der Blick auf die Großbildleinwand für die Fußball-Weltmeisterschaft könnte beeinträchtigt werden. Erst am Samstag entlud sich der angestachelte Volkszorn (350.000 Euro Künstlerhonorare insgesamt) in einer witzigen Guerilla-Aktion: Mozart wurde ein orangefarbener Irokese aufgesetzt (Anm.: Frisur des Musikkurators Zierhofer-Kin). Ein anderer Kopfschmuck zierte das Denkmal vergangenen Mittwoch: Eine Augenbinde mit der Notiz ". . . jeden Sch. . . muss ich mir nicht anschauen!"

Auch bei Christoph Büchels inszenierter Bürgerinitiative Salzburg bleib frei (von Kunst) der fiktiven "Aktion reales Salzburg" blieb öffentliche Reaktion nicht aus: Mit Unterschriften wurde nicht gegeizt. Bei so viel kreativem Output des Publikums ist das Ziel, "temporäre Dissonanzen" auszulösen, erreicht: Erfolg für Kontracom.

Wesentlich subtiler, weil schwieriger als solche zu dekodieren, fielen die Störungen der anderen Künstler aus. Markus Schinwald klaute dem Ziffernblatt der Rathausuhr eine ganze Stunde. Ayse Erkmen markiert mit drei bunten, nahezu schwebenden Kugeln gekonnt das kleinste Haus der Stadt und die darüber befindliche Lücke im ansonsten geschlossenen Häuserensemble des Alten Marktes.

Hans Schabus verblendete mit einem die Tonhöhen der Demolirer Polka von Johann Strauss Sohn abbildenden Bretterzaun geschickt den Eingang des Mirabellgartens, den die Passanten jedoch nicht wesentlich vom vormals dort stehenden Bauzaun zu unterscheiden wussten. Schmunzeln ließ Michael Elmgreen & Ingar Dragset verspiegelter, verknautschter Postkarten-Kiosk, der quasi als Ich-AG nur Karten des eigenen Standls feil bot.

Gelungen Knut Asdams ernstes Video Finally: Die in die Prachtbauten eingeschriebene strukturelle Gewalt weckt in drei Stadtbesuchern nach und nach Aggressionen.

Kein Hingucker hingegen Olaf Nicolais Kreidemalereien: Entweder vom Regen getilgt oder aber von Staffeleien der Kitschmaler zugeparkt. Jonathan Meese installierte im deprimierenden Neutor-Tunnel einen ebensolchen Mythenpark aus Teufelsfratzen, Nachttopf und grindigem Krimskrams.

Bisher wenig umstritten das musikalische Programm: Bei experimenteller Elektronik und Performance-orientierten Konzerten kann es bis 16. Juli durchaus noch zu fruchtbaren Klang-Dissonanzen kommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.5.2006)


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