Bawag Contemporary: Eine Art Happening mit den Chicks on Speed
Chaotische Girlie-Combo
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Die Chicks on Speed bei ihrem Happening "Power Tools: for the remote controlled metaverse". Foto: Bawag/Ottenschläger
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

In der Serie "Young and Reckless" bringt die siebente Ausstellung das
Crossover der jungen Generation auf den Punkt: Nichts ist fix,
Kunstmachen ist alles zwischen Performance, Videokunst, Musik und
Design. Interviews mit imaginären Gruppenmitgliedern und Zurückhalten
von Information gehören dazu. Einfach Pop und Punk oder besser Post-Pop
und Post-Punk – denn es ist ja schon einen Weile her, dass Andy Warhol
mit seiner Factory solche übergreifenden Gedanken-Labors für die Kunst
einführte oder dass die ersten weiblichen Punk-Bands ironisch auf die
Feministinnen husteten.
Am Morgen der Pressekonferenz wird nur
verraten, dass vier Künstlerinnen die abendliche Performance mittels
Video, Sound, weiterzuführender Wandmalerei und Designerkleidung, die
einen ständigen Kostümwechsel ermöglicht, im ganzen Raum ablaufen
lassen. Darauf folgt dann der Film über diesen einmaligen Auftritt als
Dauerprogramm in den bleibenden Kulissen. Die "Chicks on
Speed"-Protagonistinnen Melissa Logan und Alex Murray-Leslie arbeiten
mit keinem Geringeren in der Modewelt als Karl Lagerfeld zusammen. Er
macht das Design für ihre Plattencovers und auch Kollektionen von Dolce
& Gabbana übernehmen ihre trashigen Outfits.
Zu den beiden 1970 in den USA und in Australien geborenen
Künstlerinnen, die sich 1997 in München vereinten und sowohl Ensemble
als auch Band nennen, kommen in Wien die Gäste A. L. Steiner aus New
York und Knoot Juurak aus Tallin.
Die "Möblierung" besteht außer dem obligaten technischen Turm für
mehrere Beamer, Mikrophonen und Verstärkern aus Wandteppich,
Kleiderständer mit eigener Designerware, Farbeimern und Bürsten sowie
aufblasbaren Utensilien. Neben einigen Kunstpflanzen steht ein
Kinderschwimmbecken, das sich in eine Art Leuchtbrunnen verwandeln
kann, dazu kommen zwei Objekte zwischen Brust und Blasebalg, die ein
wenig an die Reliquien barocker Martyrien erinnern.
Dass diese spezielle Form des Happenings sich auch über den zu sehr
industrialisierten Kunstmarkt lustig macht und Chaos und Spaß
dahingehend kritisch einsetzt, versteht sich von selbst. Es bleibt
abzuwarten, was im Begleitprogramm der in alle Medien ausufernden,
international bekannten Girlie-Band noch an Überraschungen enthalten
ist. Die Ankündigung "Konzert mit Mopedrock" lässt am Ende des Monats
jedenfalls einen lauten Schlussakkord erwarten.
Happening
Chicks on Speed
Brigitte Huck (Kuratorin) Bawag Contemporary Zu sehen bis 31. Mai
Printausgabe vom Freitag, 08. Mai 2009
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