Männchen in Blättern
Schnell und skurril. Christian Eisenbergers Kunstattacken kommen unerwartet. Seine Waffen sind Karton und Klebebänder, Zeug aus dem Abfall und Blätter.
Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). Romantische Seelen orten unter Huflattichblättern Elfen und Pflanzengeister. Doch beim Steirer Christian Eisenberger denkt man an Dschungelkrieg, sieht man eine seine Arbeiten, die die Salzburger Galerie Altnöder seit der Vorwoche (bis 4. Juli) unter dem Titel „pain-dings/bildung/sorge“ zeigt. Aus einem Pflanzenblatt hat Christian Eisenberger ein grünes Männchen geschnitten, das im verbergenden Grün an seinem Blattstängel-Galgen hängt.
Auch Henkersknoten und Skelette verwendet er für seine Kunstwerke. Leben, Sterben und Tod sind ihm wichtige Themen, besonders seit er 2008 in einer Grazer Kirche ein vierzigtägiges Fasten verbracht hat.
Eisenberger hat jahrelang unerlaubt Pappkartonfiguren weltweit in Städten aufgestellt. Über 9000 dieser Pappkameraden mit meist bedrohlichem Gesichtsausdruck hat er mittlerweile an Mauern und Laternenpfählen postiert: sei es als Papst, Einstein, Charly Chaplin, Stalin, Oscar Wilde, George W. Bush oder als Bäuerinnen oder vietnamesische Flüchtende. Mehrmals ist er deswegen verhaftet worden. Auch in London ergriff ihn die Polizei, als er als Clown verkleidet mit Sprengstoffattrappen umgürtet in der Stadt auftauchte.Liebenswürdiger Wildling Der umtriebige, liebenswürdige Oberwildling liefert Kunst, die schnell und schlampig gemacht ist, die skurril-lustig wirkt, aber kritisch und politisch ist. Vor Abfall und nutzlos Gewordenem hat er keine Scheu. So entdeckte er im Sperrmüll – vermutlich Überbleibsel einer Hornknopferzeugung – eine Menge Rehhufe. In Verbindung mit kleinen Betonblöcken macht er daraus „Dackel“, die bei Altnöder zu sehen sind. Oder: Stroh und Kot eines neugeborenen Kalbes – Eisenberger kommt von einem Bauernhof im steirischen Semriach – dienen ihm als Material für Schriftzeichen.
Die Räucherkammer des Semriacher Bauernhofs dient ihm als Experimentierstätte. Seine dort entstandenen Werke haben den herben Charme nach Geselchtem zu riechen und zeigen hohlwangige Köpfe mit leeren Augenhöhlen.




















