Richtig! Nächtens Wodkatrinken mit Bildhauern und Sinnieren über das Malen mit Malern. Nach dem Aufstehen, zu Mittag, nehme ich im presseblauen Salon Adorationen und Bestechungen entgegen. Am Nachmittag schmiede ich dann Personalintrigen, etwa wen die Ministerin als neuen Mumok-Direktor einsetzen könnte – wobei man dabei richtig sentimental werden kann...Worauf ich ein paar ausgefeilte Bonmots diktiere...und dann das.
Das Telefon. Immer, aber auch immer auf Sturmbetrieb, wenn die
Deadline dem Hirn den Sauerstoff abzuschnüren beginnt. „Hier Inge
Meyer. Ist dort Herr Spiegler?“ „Nein, es gibt nur mich, und ich bin
weiblich.“ „Ach so. Ich habe Ihnen am 24.September ein Mail geschickt.“
Pause. „Und worüber?“ „Ein Kunstprojekt.“ Na geh! „Bitte ein wenig
konkreter.“ Und schneller! „In Innsbruck.“ „In den Westen komme ich
leider nur selten, aber schicken Sie mir das Mail doch noch einmal.“
„Das finde ich jetzt aber schon seltsam. Andere Magazine, die geben das
auch so rein, ohne es anzusehen.“ Andere Magazine? Reingeben?
Höflichkeits-Basics, hallo? „Wir sind eine Tageszeitung, und so etwas
wäre unseriös. Aber was genau meinen Sie mit reingeben?“ „Na einen
Bericht, für eine Reportage gibt das sowieso zu wenig her.“ Na dann!
Die
nächsten Telefonate mit einer Kunstgewerbe-Galeristin, die Publicity
braucht, weil bei ihrer letzten Vernissage „die Römer“ unterwegs waren
(???), und die Ölbildmalerin, die ihr Bild in der Zeitung sehen möchte,
und zwar dalli, erspare ich Ihnen. Mich quält der Gedanke an den
nächsten D-Day: Erkläre mir jemand die Marketinglogik, warum Wiener
Ausstellungen immer donnerstags eröffnet werden müssen. Wie soll man
gleichzeitig im Leopold Museum beim Unheimlichen sein, bei der
Wiedereröffnung des BA-Kunstforums, im Mumok bei der Jumex-Collection
und „postalternativ“ im Kunstraum NÖ? Da gehen sich schon wieder weder
Adorationen noch Wodkatrinken aus. Und Tagträume erst recht nicht.
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