18. Mai 2010 - 00:04 Uhr · Von Silvia Nagl · Kultur

Prix Ars Electronica: Oscars der Medienkunst

Oscars der Medienkunst
Ein Eye-Writer, der einem querschnittgelähmten Graffiti-Künstler weiterhin seine Arbeit ermöglicht, und ein Wuzeltisch mit elektronischem Gegner zählen zu den Preisträgern des Prix Ars Electronica 2010. Die Goldenen Nicas werden am 3. September in der ehemaligen Tabakfabrik in Linz übergeben.

Die Goldenen Nicas, die Oscars der Medienkunst, werden alljährlich seit 1987 in Linz vergeben. Eine internationale Expertenjury tagt drei bis sieben – heuer waren es bedingt durch die Aschenwolke bis zu zehn – Tage in Linz, um aus den insgesamt 3000 Einreichungen aus 70 Ländern die Gewinner und jeweils zwei Anerkennungspreise in den sieben Kategorien auszuwählen. Es ist auch heuer wieder faszinierend, welche Ideen und ausgereifte Arbeiten eingereicht wurden. Die Projekte der Nica-Gewinner werden in einer Ausstellung während des Festivals (2. bis 7. September) präsentiert: diesmal aber nicht im Offenen Kulturhaus, sondern in der ehemaligen Linzer Tabakfabrik – ein Grund mehr, neugierig auf diese Ausstellung zu sein.

Interessant, dass in der Kategorie Computer Animation nicht die großen Blockbuster aus der Hochtechnologiefabrik Hollywood zu den Gewinnern zählen, sondern der Trend zu Kurzfilmen geht: Heuer wird der Kanadier Arev Manoukian für „Nuit Blanche“ ausgezeichnet, einen im Stile der 1950er-Jahre auf einem herkömmlichen PC entwickelten Film über Liebe auf den ersten Blick. Das 3-D-Spektakel „Avatar“ oder das Disney-Pixar-Märchen „Oben“ wurden lobend erwähnt. Spektakulär, wie auch schon beim Festival früherer Jahre zu sehen, ist wieder der Bodyartist Stelarc, der sich ein aus Knorpeln hergestelltes Ohr in den Unterarm operieren ließ: ein Experiment, ob sich eine Art Prothese mithilfe von Zellmaterial gleichsam selbst herstellen kann.

Auch in den Dienst der Medizin stellt sich der „Eye Writer“, der einem Querschnittgelähmten ermöglicht, mittels Bewegung der Augen zu zeichnen. Die legendären Hacker des „Chaos Computer Club“, der gesellschaftliche Folgewirkungen neuer Technologien aufzeigen will, sind ebenso Nica-Gewinner wie zwei Grazer HTL-Schüler, deren Wuzeltisch wohl bei der Ausstellung umlagert werden wird.

Info: www.aec.at

Quelle: OÖNachrichten Zeitung
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,393988
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