Mittlerweile hat der Bursche, dessen Handschrift jedem Graphologen Angstschweiß auf die Stirn triebe, aufgerüstet Richtung eines Dinges, das er mit "Radikalität" umschreibt: Meese nähert sich in Performances, kruden Ecriture-automatique-Texten, Devotionalien-Vitrinen seinen "Göttern" Wagner, Rimbaud, Hagen von Tronje, Ernst Stroheim, de Sade.
Wie sie will er "zweifelhaft" bleiben sowie versuchen, sich wie sein aktuell größtes Role-Model, Balthus, "aus der Kunstgeschichte herauszuschreiben". Derzeit schreibt er sich ganz gut hinein, mit neuen, nicht unbescheidenen Ölbildern.
Der manisch-obsessive Charakter nimmt hier einen weiteren Anlauf und kippt ins vollends Chaotische, Kindische, Peinliche oder aber ins Monumentale, wie das Machwerk "Bauernopfer, Garde, Hagen (Schach dem einzigen Sargnagel, Schloß Moosham)" demonstriert.
Meese, sich selbst auch als Berija mit Adidas-Leibchen porträtierend, ist
nicht der übliche "witzige" Pop-Klau-Künstler. Da ist was Zweifelhaftes daran,
und da muss er aufpassen, dass es bei diesem großen Talent nicht doch zum
Markenzeichen wird.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 10.
2001)
Quelle: © derStandard.at