Der Oberste Gerichtshof Spaniens hat die
Erweiterung des Prado-Museums in Madrid gestoppt und damit eines der
größten Prestige-Projekte der spanischen Kulturpolitik einstweilen auf Eis
gelegt. Die Richter gaben nach Presseberichten vom Samstag der Klage von
Anwohnern statt, die sich gegen die Pläne des Star-Architekten Rafael
Moneo wehren, die Klosterruine der angrenzenden Sankt-Hieronymus-Kirche in
das Vorhaben einzubeziehen.
Die Kläger müssen jedoch eine Bürgschaft von 1,25 Millionen Euro
hinterlegen, damit die durch die Verzögerung der Bauarbeiten entstehenden
Kosten abgedeckt sind. Das Kloster aus dem 17. Jahrhundert ist bereits
Stein für Stein abgetragen worden. Es soll nach den Plänen Moneos unter
einem Licht durchfluteten Kubus wieder aufgebaut werden und dann neue
Räume des Prado beherbergen.
Bürger-Initiative gegen Projekt
Die von den Anwohnern gegründete Bürgerinitiative will dies verhindern
und fordert stattdessen die Restaurierung des Klosters in seiner
ursprünglichen Form. Für die geforderte Bürgschaft wollen sie um Spenden
werben.
Die um 16.000 Quadratmeter geplante Erweiterung soll rund 50 Millionen
Euro kosten. Sie ist notwendig, weil Spaniens wichtigste Pinakothek aus
allen Nähten platzt. Bislang kann nur ein Bruchteil der 10.000 Kunstwerke
gezeigt werden. Die restlichen sind in Lagerräumen eingemottet.
Ministerpräsident Jose Maria Aznar hat sich persönlich für den Ausbau des
Prado stark gemacht.
Erweiterung 2001 genehmigt
Vor rund einem Jahr genehmigte die spanische Regierung die Bauarbeiten
für das Vorhaben nach den Plänen des spanischen Star-Architekten. Moneo
(63) hatte den Ideenwettbewerb für das Projekt vor drei Jahren gewonnen.
Zu seinen Werken zählen u.a. der Madrider Atocha-Bahnhof mit seinem
tropischen Palmengarten und der Umbau des Thyssen-Bornemisza-Museums der
spanischen Hauptstadt.
Frischer Wind durch Erneuerung
Im März des Vorjahres beschloss der Stiftungsausschuss, die Verwaltung
und Finanzierung des staatlichen Museums von Grund auf zu reformieren.
Damit soll der Prado, eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt, einen
neuen rechtlichen Status mit einer größeren Eigenständigkeit erhalten,
erklärte damals Stiftungspräsident Eduardo Serra.
Die Führung des Museums solle flexibler, effektiver und moderner
werden, so Serra. Die Prado-Stiftung zog mit diesen Beschlüssen die
Konsequenzen aus einem Bericht der Boston Consulting Group. Dieses hatte
dem Prado bescheinigt, im Vergleich zum Louvre in Paris oder zur National
Gallery in London ein Museum mit einem niedrigen Budget und einem geringen
Quantum an Aktivitäten zu sein.
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