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| 20.07.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Jugendkultur: "Man kann immer noch Mod oder Punk sein" | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Zwei Medienwissenschaftler bereiten in Wien die Schau "Coolhunters" vor, Eröffnung: Donnerstag. | ||
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Morgen, Donnerstag, eröffnet im Wiener Künstlerhaus die
Ausstellung "Coolhunters. Jugendkulturen zwischen Markt und Medien", die
seit April im ZKM in Karlsruhe zu sehen war. Gezeigt werden Arbeiten von
30 Künstlern, aber auch Alltagsgegenstände wie Mode, Video-Clips. Die
"Presse" traf die Kuratoren und Medienwissenschaftler Birgit Richard
(Jahrgang 62) und Klaus Neumann-Braun (43), die ihre Ausstellung gerade in
einer riesigen Half-Pipe einrichten. Die Presse: Bereits der Titel ihrer Ausstellung ist für Nicht-Eingeweihte eine Hürde. "Coolhunters" - was heißt das eigentlich? Klaus Neumann-Braun: "Coolhunters" kommt aus dem
Marketing. Sie stehen eine Stufe unter den Trendscouts, die auf der Suche
nach vermarktbarem Neuen sind. Wir haben diesen Begriff umgedreht, bei uns
sind die Jugendlichen selbst auf der Jagd - und zwar nach ihrem eigenen
Stil, nach Individualität. Ziel der Ausstellung ist es, Jugendliche im
Spiegel ihrer Medien und Gegenstände zu zeigen. Im Spannungsfeld zwischen
Alltagskommunikation und Kunst, "Normalität" und spezifischen Szenen wie
Hiphop, Gothic, Skater, Techno. Sind Sie da als "Oldies" nicht auch manchmal an Ihre Grenzen gestoßen?
Birgit Richard: Gar nicht. Ich war in den Jugendkulturen, mit denen ich
mich beschäftigt habe, immer drinnen - zuletzt sogar als aktiver Part in
der Techno-Szene. Wir beobachten den Markt, Musik, Kleidung etc. In der
Ausstellung kommen etwa Alltagsgegenstände vor: Schuhe, Miss-Sixty-Hosen,
T-Shirts von Tarzan, Erfolg, Airback. Interessant war, dass die
Jugendlichen nicht gesagt haben, das sei alles altes Zeug. Denn diese
Teile sind ziemlich unspektakulär. Nur ein paar Stücke fallen aus dem
Rahmen. Etwa Buffalo-Plateauschuhe: Sie werden zwar immer noch gerne bei
Raves getragen, aber die wirklich hippe Szene würde so etwas nie mehr
anziehen. Aber die Kids haben das trotzdem akzeptiert, da geht es um den
Wiedererkennungseffekt. Natürlich kennen wir uns nicht in jeder Einzelheit
jeder Szene aus, aber wir kennen die groben Strukturen. Wobei sich
wahrscheinlich auch die Jugendlichen selbst mit diesen hunderten
Untergruppen gar nicht mehr auskennen. Richard: Das ist auch ein Ergebnis
unserer Befragungen: Für die Jugendlichen ist es sehr wohl interessant,
was andere machen, weil sie das nicht immer so im Blick haben. Wie wird sich die Jugendkultur denn weiterentwickeln?
Noch unübersichtlicher? Richard: Im Moment ist eine Zeit, wo sich große
Bewegungen nicht zeigen. Techno war sicher ein Einschnitt, Hiphop ist der
zweite große Monolith. Beide gibt es heute noch. Das Besondere ist, dass
diese Bewegungen einrasten und stehen bleiben, nicht einfach verschwinden
wie früher. Durch die Retrowellen wird alles wieder eingespielt. Man kann
immer noch Mod oder Punk sein. Natürlich warten auch wir auf die neue
große Richtung. Aber die wird so schnell nicht kommen, weil es derzeit
hauptsächlich um Crossover-Geschichten geht. Erklären diese Retro-Wellen auch, dass die politische Rechte wieder
mehr Zulauf zu haben scheint, im "braunen Pop", wie Sie das im Buch zur
Ausstellung nennen? Das hat die katholische Kirche beim christlichen Rapper Xavier Naidoo
und seinen Söhnen Mannheims allerdings verschlafen . . .
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